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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Die  beiden  Handfesten  König  Rudolfs  I.  für  die  Stadt  Wien.

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weist  der  Artikel  von  der  Verurtheilung  Paltram’s,  die  in  der
Mitte  Mai  1278  stattfand,  und  was  Böhmer  und  Lorenz  noch
nicht  beachtet  haben,  die  Aufnahme  Stephans  von  Meissawe  1
als  Mar  sc  hall  von  Oesterreich  unter  die  Zeugen  ausdrücklich ­
  auf  dieses  Datum  hin  oder  schliesst  wieder  die  Annahme ­
  eines  früheren  Datums  mit  denselben  Zeugen  aus.  Der
bereits  im  Jahre  1277  verstorbene  Bischof  Leo  von  Regensburg
  und  der  ,Marschall  von  Oesterreich'  Stephan  von  Meissau
scheinen  sich  nun  einmal  absolut  gegenseitig  und  nebeneinander
als  Zeugen  auszuschliessen.
Wenn  nun  vielleicht  auch  allenfalls  angenommen  werden
könnte,  dass  der  Landfriedensbund  auch  mit  Abgeordneten  der
rheinischen  Städte  abgeschlossen  sein  könne,  als  die  vier  Zeugen
in  Wien  beisammen  waren,  dass  ferner  der  erstgeborne  Sohn
K.  Rudolfs  binnen  sieben  Tagen  Angesichts  des  Ausbruchs
des  Krieges  mitten  im  Sommer  immerhin  aus  der  Schweiz
schon  in  Wien  angelangt  sein  konnte,  daran  lässt  sich  nicht
rütteln,  dass  Bischof  Leo  von  Regensburg,  einer  der  treuesten
Anhänger  und  Rathgeher  K.  Rudolfs,  der  am  häufigsten  in
seinen  Urkunden  vorkommende  Zeuge,  2  zwischen  dem  13.  und
27.  Jtlli  1277  gestorben  ist. 3  Gegen  solche  Thatsachen,  scheint
es,  lasse  sich  nichts  einwenden,  und  damit  scheint  das  Urtheil
über  die  Unechtheit  der  Urkunde  b  und  am  Ende  auch  der
damit  zusammenhängenden  Urkunde  a  unwiderleglich  gesprochen
und  besiegelt.
Dessen  ungeachtet  wollen  wir  den  scheinbar  hoffnungslosen ­
  Versuch  unternehmen  der  Sache  eine  andere  Seite  ab-1

  Bekanntlich  wurde  der  frühere  Marscliall  von  Oesterreich  Heinrich  von
Chunring,  der  sich  noch  in  einer  Urkunde  vom  16.  April  1278  (Kurz,
Oesterreich  unter  Ottokar,  S.  192.  Vergl.  S.  193  ,quondam‘)  so  nennt,
im  Mai  wegen  Verschwörung  verurtheilt.  Sein  Nachfolger  war  Stephan
von  Meissau.
2  Darüber  scheint  er  sogar  die  Angelegenheiten  seines  eigenen  Bisthums
vernachlässigt  zu  haben.  Wenigstens  beklagt  sich  1278  14.  Juni  sein
Nachfolger  Bischof  Heinrich  bitter  darüber,  dass  jener  dem  Bisthum
eine  unleidliche  Schuldenlast  aufgewälzt  habe.  (Urkb.  für  ob  der  Enns.
III.  483.)
3  Vgl.  Thomas  Ried,  Cod.  dipl.  Katispouensis.  Urkunden  LXXV,  DLXXVI,
DLXXVII.
            
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