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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Die  beiden  Handfesten  König  Rudolfs  I  für  die  Stadt  Wien.

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fühlte,  gewaltsame  Störungen  der  Ruhe  der  Stadt  durch  politische ­
  Bestrebungen  wirksam  zu  unterdrücken  (Vergl.  auch
damit  das  S.  321  Gesagte).  Diese  Satzung  klingt  daher  nicht
sonderbar,  sondern  ist  eine  natürliche  Folge  der  Zeitverhältnisse ­
  unter  K.  Rudolf.
In  ähnlicher  Weise  ist  auch  der  a.  XXIII  bei  Rudolf
charakteristisch  für  die  stürmischen  und  noch  ungeklärten  Verhältnisse, ­
  wie  sie  unter  Rudolf  herrschten.  Er  verspricht  darin
binnen  vierzehn  Tagen  jode  von  einer  hohen  oder  niedrigen
Person  den  Bürgern  zugefügte  notorische  Gewaltthat  auf  ihre
Bitte  wieder  gut  zu  machen  (retractare);  tliäte  er  es  nicht,  so
sollen  sie  das  Recht  haben,  innerhalb  und  ausserhalb  der  Stadt
das  ihnen  angethane  Unrecht  nach  der  Eigenschaft  des  Verletzers ­
  selbst  zu  rächen.  Die  geordneteren  Rechtsverhältnisse
unter  II.  Albrecht  machten  eine  solche  Sanctionirung  der
Selbsthilfe  überflüssig,  wie  sie  unter  K.  Rudolf  noch  immer
Vorkommen  musste  und  wirklich  vorkam.  So  gab  Rudolf  den
Wiener  Bürgern  ausdrücklich  das  Recht,  sich  an  den  Bürgern
von  Wels,  Steier  und  Linz,  die  ihnen  unrechtmässig  Güter
und  Sachen  weggenommen  hatten,  dadurch  eigenmächtig  zu
regressireu,  dass  sie  Güter  und  Sachen  derselben,  wo  sie  sie
träfen,  sich  aneignen  und  zu  ihrem  Nutzen  verwenden  dürften. 1
Wir  hätten  also  hier  eine  praktische  Illustration  der  deii
Wiener  Bürgern  ertheilten  Begünstigung.  Eine  ähnliche  Bestimmung ­
  enthielt  schon  der  Freiheitsbrief  K.  Ottokars  für  die
Stadt  Tulln  (Lorenz,  Deutsche  Gesell.  I.  466). 2  Unter  Herzog

1  Bo'dmann.  Cod.  epist.  Kudolfi  238:  universitatis  vestrae  uotitiae  teuere
presentium  volumus  esse  notum,  quod  nos  dilectorum  fidelium  nostrornm
civium  Wiennensium  bonis  et  rebus  eorum  per  cives  et  homines  de
Welsa,  Styra  et  Linza  contra  justitiam  ipsis  notorie  et  evidenter  ablatis
indempnitati  eonsulere  cupientes  eisdem  plenam  et  liberam  damus  presentibus
  facultatem  res,  possessiones  et  bona  civium  et  hominum  civitatum
jam  dictarum,  ubicumque  locorum  illa  cives  nostri  memorati  repererint,
occupandi  ac  suis  tamdiu  juribus  et  usibus  applicandi,  quousque  de
prefatis  bonis  ipsis  ablatis  indebite  sufficientem  acceperint  recompensam.
Stratae  tarnen  regiae  et  communes  transitus  libertate,  quam  tarn  in  terris
quam  in  aquis  ab  omni  violentia  et  illaesam  esse  praecipimus,  semper
salva.
2  Quibus  (juratis)  etiam  .  .  .  damus  firmiter  in  mandatis,  ut  ad  nostras
aures  personaliter  deferant,  si  quos  invenerint,  qui  jura  prefate  civitatis
            
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