Die beiden Handfesten König Rudolfs I für die Stadt Wien.
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fühlte, gewaltsame Störungen der Ruhe der Stadt durch politische
Bestrebungen wirksam zu unterdrücken (Vergl. auch
damit das S. 321 Gesagte). Diese Satzung klingt daher nicht
sonderbar, sondern ist eine natürliche Folge der Zeitverhältnisse
unter K. Rudolf.
In ähnlicher Weise ist auch der a. XXIII bei Rudolf
charakteristisch für die stürmischen und noch ungeklärten Verhältnisse,
wie sie unter Rudolf herrschten. Er verspricht darin
binnen vierzehn Tagen jode von einer hohen oder niedrigen
Person den Bürgern zugefügte notorische Gewaltthat auf ihre
Bitte wieder gut zu machen (retractare); tliäte er es nicht, so
sollen sie das Recht haben, innerhalb und ausserhalb der Stadt
das ihnen angethane Unrecht nach der Eigenschaft des Verletzers
selbst zu rächen. Die geordneteren Rechtsverhältnisse
unter II. Albrecht machten eine solche Sanctionirung der
Selbsthilfe überflüssig, wie sie unter K. Rudolf noch immer
Vorkommen musste und wirklich vorkam. So gab Rudolf den
Wiener Bürgern ausdrücklich das Recht, sich an den Bürgern
von Wels, Steier und Linz, die ihnen unrechtmässig Güter
und Sachen weggenommen hatten, dadurch eigenmächtig zu
regressireu, dass sie Güter und Sachen derselben, wo sie sie
träfen, sich aneignen und zu ihrem Nutzen verwenden dürften. 1
Wir hätten also hier eine praktische Illustration der deii
Wiener Bürgern ertheilten Begünstigung. Eine ähnliche Bestimmung
enthielt schon der Freiheitsbrief K. Ottokars für die
Stadt Tulln (Lorenz, Deutsche Gesell. I. 466). 2 Unter Herzog
1 Bo'dmann. Cod. epist. Kudolfi 238: universitatis vestrae uotitiae teuere
presentium volumus esse notum, quod nos dilectorum fidelium nostrornm
civium Wiennensium bonis et rebus eorum per cives et homines de
Welsa, Styra et Linza contra justitiam ipsis notorie et evidenter ablatis
indempnitati eonsulere cupientes eisdem plenam et liberam damus presentibus
facultatem res, possessiones et bona civium et hominum civitatum
jam dictarum, ubicumque locorum illa cives nostri memorati repererint,
occupandi ac suis tamdiu juribus et usibus applicandi, quousque de
prefatis bonis ipsis ablatis indebite sufficientem acceperint recompensam.
Stratae tarnen regiae et communes transitus libertate, quam tarn in terris
quam in aquis ab omni violentia et illaesam esse praecipimus, semper
salva.
2 Quibus (juratis) etiam . . . damus firmiter in mandatis, ut ad nostras
aures personaliter deferant, si quos invenerint, qui jura prefate civitatis