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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Perioden,in  Herbart’s  philosophischem  Geistesgang.

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niemandem  einfallen.  —  Einfallen,  der  Perfektibilität,  Güte  und
Schönheit  des  Nicht-Ich  oder  dessen  Wirksamkeit  auf  das  Ich
Schranken  setzen  zu  wollen.  Soll  aber  diese  nothwendige
Wechselwirkung  ewig,  so  muss  sie  auch  unendlich  seyn,  und
von  einem  menschlichen  Geist  können  ihr  nie,  am  wenigsten
izt  schon  Gränzen  vorgeschrieben,  ein  unübertreffliches  Ideal
gegeben  werden.  Und  eine  solche  Beschränkung  und  Hemmung
der  ewigen  Wechselwirkung  wäre  doch  jedes  moralische  oder
ästhetische  Ideal,  das  mir  also  auch  in  diesem  Fall  ganz  unzulässig ­
  scheint.  —  Weg  mit  den  Idealen!
Nein.  —  Vielmehr  sei  unser  ganzes  Bestreben  nur  —  abgesondert ­
  von  aller  Empirie  und  den  Eindrücken  der  Jugend,
die  reine  Form,  den  ursprünglichen  Gehalt  unseres
Wesens,  und  dessen  offene  Empfänglichkeit  für  alles  ihm  homogene, ­
  für  alles  acht  Gute  und  Schöne,  in  uns  herzustellen  —
und  so  hinzutreten  in  die  Sinnenwelt,  in  die  moralische  Welt
um  zu  geben  und  zu  empfangen,  aufzunehmen  und  zu  verwerfen. ­
  Unaufhörlich  wird  durch  diese  Wechselwirkung  das
Ich  fortschreiten,  edler  sein  Gehalt,  schöner  seine  Form  werden,
grösser  sein  Bedürfniss  nach  Güte  und  Schönheit,  grösser  die
Menge  heterogenen,  grösser  die  des  homogenen  Stoffs.  Zu  unerreichbar ­
  scheinenden  Höhen,  —  zu  izt  noch  undenkbar  feinen
Genüssen  wird  unser  stets  erhöhtes  Gefühl  uns  leiten.  Die
jedesmalige  höchste  Stufe  des  moralischen  und  ästhetischen
Gefühls,  und  nur  die,  kann  man  vielleicht  Ideal  nennen.  Eine
höhere  folgt  dieser  vorhin  höchsten  Stufe,  und  so  ist  in  ewigem ­
  Wechsel  und  Fortschreiten  auch  das  Ideal.  Nur  als  Gemälde, ­
  als  Darstellung  der  höchsten  Stufe  dieses  Moments  kann
jedes  Vernunftideal  von  Moral  und  Schönheit  gelten;  denn  von
unerreichbar  hohen  Idealen  kann  nicht  die  Rede  seyn  —  die
gibt  es  nicht.  —  Was  ich  hingestellt  habe,  das  habe  und  bin
ich  selbst,  ich  mag  es  üben  können  oder  nicht.  Mein  reines
Ich  wird  es  immer  realisiren  können,  und  hat  es,  indem  es
dasselbe  aufstellte.  —  Das  an  mir,  was  es  nicht  realisiren  konnte,
was  zu  schwach  und  lahm  ist,  bin  nicht  Ich  —  ist  das  Ihier
an  mir  —  mein  Nicht-Ich!

Rist.
            
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