Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

230

Z  immer  mann.

Bewusstseyn  sind  und  wissen  wir,  was  wir  sind  und  seyn
sollen.
Es  ist  eine,  gewiss  wold  zu  befriedigende  Anforderung
an  die  speculative  Vernunft,  dass  sie  aus  dem  Wesen  des  reinen
leb  auch  den  reinen,  absoluten  Gelullt,  wie  die  reine  Form
desselben  deducire:  denn  um  menschlichen  Gehalt,  menschliche ­
  Form  und  um  beides  neben  einander  zu  seyn,  um  die
Bedingungen  der  Menschheit  streng  zu  erfüllen,  muss  es  ein
gewisses  reines  Wesen  beider  Bestandteile  geben  —  und  dieses
muss  sich  unwidersprechlich  gewiss  und  genau  aufzeigen  und
bestimmen  lassen.
Also  ein  theoretisches  Ideal  —  ein  Ideal  der  Urform,  des
Gehalts  und  Formtriebs  hätten  wir;  —  wird  uns  aber  die  Vernunft ­
  auch  ein  praktisches  Ideal,  und  billig  sollte  nur  das,
Ideal  heissen  —  aufstellen  können?
Wir  können  und  dürfen  uns  das  Wesen,  alle  Bestandteile ­
  und  Kräfte  des  Menschen  nur  praktisch  in  steter  Wirksamkeit ­
  nach  innen  und  aussen  denken.  —  Also  auch  Gehalt
und  Form  des  Menschen  denken  wir  uns  nur  in  steter  Wechselwirksamkeit ­
  unter  einander,  und  mit  fremdem  Gehalt,  fremden
Formen,  um  diese  mit  sich  zu  vergleichen,  sie  aufzunehmen
in  sich,  sich  überzutragen  in  sie,  oder  sie  zurückzuweisen  von
sich,  sie  zu  entfernen,  als  ungleichartig.  —  Das  ist  die  ewige
Wirksamkeit  des  Gehalts  sowol  als  der  Form,  und  nur  durch
diese  können  wir  uns  unser  bewusst  werden.  —  Was  wir  uns
entgegensetzen  sollen,  muss  in  gewisser  Rücksicht  gleichartig
seyn,  wir  würden  ohne  Form  uns  nie  von  etwas's  anderem,
das  Form  hat,  unterscheiden;  ohne  Gehalt  nie  wissen,  dass  es
einen  Gehalt  gebe.  Nur  weil  in  uns  beides  vereinigt  ist,  können
wir  auf  alles  reflektiren,  alles  mit  uns  vergleichen.  Auf  welche
Art  nun  sollte  und  könnte  wohl  für  diese  wirkenden  Urbestandtheile
  unseres  Wesens  ein  praktisches  Ideal  aufgestellt
werden?  —  Doch  wohl  nur  so,  dass  man  den  höchstmöglichsten ­
  Gehalt,  die  höchste  Form  aufstellte,  der  sich  das  Ich,  der
sich  mein  Gehalt  und  Form  vergleichen,  —•  den  sie  sich  assimiliren
  könnte  und  dürfte.  Es  müsste  zu  dem  Ende  gezeigt
werden,  dass  entweder  im  Nicht-Ich  kein  höherer  Gehalt  oder
Form  möglich,  —  oder  dass  das  Ich  unfähig  sei,  einen  solchen
in  sich  aufzunehmen.  Beide  anmassende  Behauptungen  werden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.