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Zimmer mann.
Einzige Grundtriebe der Menschheit, neben dem höchsten
intellektualen Triebe, dem diese untergeordnet sind, — scheinen
mir der moralische und ästhetische Trieb, wie wir sie zu nennen
gewohnt sind, zu seyn; und es kömmt darauf an, zu untersuchen,
ob Ideale für beide möglich sind. Diess kann nur nach
vorausgegangener Bestimmung ihres Wesens und ihrer Entstehung
geschehen.
Alle vorstellbaren Dinge haben als solche entweder einen
Gehalt oder blos eine Form. Nicht alle Beides. Gehalt ist mir
Daseyn durch Bewusstseyn, durch Vernunft, — selbstgegebenes
Daseyn: welches billig allein als wirkliches Daseyn anzusehen
ist. — Form, Daseyn in der Sinnenwelt, und ohne Bewusstseyn.
— Die ganze Sinnenwelt also, insofern sie nur auf
die Sinne wirkt und in Zeit und Raum da ist, ist blosse
Form. — Das ganze Reich der Vernunft, jede unverkörperte
Idee, hat Gehalt, ohne alle Form. — In der menschlichen Natur,
und so weit wir es wissen können, — in ihr allein ist Stoff, —
Gehalt und Form vereinigt, bilden beide, unzertrennlich, das
sinnliche Vernunftwesen. Ungeachtet dieser engen Verbindung
in einem Wesen, besteht doch Gehalt und Form jedes für sich;
äussert sich bei der Wirksamkeit, dem Streben des Ich in die
Sinnenwelt, jedes auf seine Art. Stoff — Gehalt sucht Gehalt,
Form Form, — oft beide beides, auf, um auf denselben einzuwirken,
von ihm auf sich einwirken zu lassen •— ihn sich und
sich ihm zu assimiliren.
Der Urtrieb, der sich im Ich auf Form, oder Schönheit
bezieht, oder vielmehr das natürliche und nothwendige Treiben
und Suchen des Gehalts und der Form nach bessern und höhern,
oder gleichen Gegenständen seiner Art — ist mir der ästhetische,
der, welcher den Gehalt, die Güte, zum Gegenstand
hat, der moralische. Der erste beschäftigt sich ursprünglich
nur mit sinnlich angenehmen Gegenständen; der zweite nur mit
Vernunftideen. — In ihrem höchsten Interesse vereinigen sich
beide zum freien Spiel mit dem Vernünftigschönen, und der
schönen Vernunft, nur in der menschlichen Natur; beide suchen
dann nicht das Schöne und das Gute abgesondert, beide suchen
es wieder vereinigt auf, finden es nur in der menschlichen Natur
und in ihren edelsten Werken der Vernunftschönheit. — Woher
nun Ideale für ihre Wirksamkeit?