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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

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Zimmer  mann.

Einzige  Grundtriebe  der  Menschheit,  neben  dem  höchsten
intellektualen  Triebe,  dem  diese  untergeordnet  sind,  —  scheinen
mir  der  moralische  und  ästhetische  Trieb,  wie  wir  sie  zu  nennen
gewohnt  sind,  zu  seyn;  und  es  kömmt  darauf  an,  zu  untersuchen, ­
  ob  Ideale  für  beide  möglich  sind.  Diess  kann  nur  nach
vorausgegangener  Bestimmung  ihres  Wesens  und  ihrer  Entstehung ­
  geschehen.
Alle  vorstellbaren  Dinge  haben  als  solche  entweder  einen
Gehalt  oder  blos  eine  Form.  Nicht  alle  Beides.  Gehalt  ist  mir
Daseyn  durch  Bewusstseyn,  durch  Vernunft,  —  selbstgegebenes
Daseyn:  welches  billig  allein  als  wirkliches  Daseyn  anzusehen
ist.  —  Form,  Daseyn  in  der  Sinnenwelt,  und  ohne  Bewusstseyn. ­
  —  Die  ganze  Sinnenwelt  also,  insofern  sie  nur  auf
die  Sinne  wirkt  und  in  Zeit  und  Raum  da  ist,  ist  blosse
Form.  —  Das  ganze  Reich  der  Vernunft,  jede  unverkörperte
Idee,  hat  Gehalt,  ohne  alle  Form.  —  In  der  menschlichen  Natur,
und  so  weit  wir  es  wissen  können,  —  in  ihr  allein  ist  Stoff,  —
Gehalt  und  Form  vereinigt,  bilden  beide,  unzertrennlich,  das
sinnliche  Vernunftwesen.  Ungeachtet  dieser  engen  Verbindung
in  einem  Wesen,  besteht  doch  Gehalt  und  Form  jedes  für  sich;
äussert  sich  bei  der  Wirksamkeit,  dem  Streben  des  Ich  in  die
Sinnenwelt,  jedes  auf  seine  Art.  Stoff  —  Gehalt  sucht  Gehalt,
Form  Form,  —  oft  beide  beides,  auf,  um  auf  denselben  einzuwirken, ­
  von  ihm  auf  sich  einwirken  zu  lassen  •—  ihn  sich  und
sich  ihm  zu  assimiliren.
Der  Urtrieb,  der  sich  im  Ich  auf  Form,  oder  Schönheit
bezieht,  oder  vielmehr  das  natürliche  und  nothwendige  Treiben
und  Suchen  des  Gehalts  und  der  Form  nach  bessern  und  höhern,
oder  gleichen  Gegenständen  seiner  Art  —  ist  mir  der  ästhetische, ­
  der,  welcher  den  Gehalt,  die  Güte,  zum  Gegenstand
hat,  der  moralische.  Der  erste  beschäftigt  sich  ursprünglich
nur  mit  sinnlich  angenehmen  Gegenständen;  der  zweite  nur  mit
Vernunftideen.  —  In  ihrem  höchsten  Interesse  vereinigen  sich
beide  zum  freien  Spiel  mit  dem  Vernünftigschönen,  und  der
schönen  Vernunft,  nur  in  der  menschlichen  Natur;  beide  suchen
dann  nicht  das  Schöne  und  das  Gute  abgesondert,  beide  suchen
es  wieder  vereinigt  auf,  finden  es  nur  in  der  menschlichen  Natur
und  in  ihren  edelsten  Werken  der  Vernunftschönheit.  —  Woher
nun  Ideale  für  ihre  Wirksamkeit?
            
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