Perioden in Herbart’s philosophischem Geistesgang.
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schreibt er an seine über seine künftige Lebensstellung besorgten
Eltern in entschiedenem Tone: eine innere Gewissheit erhebe
ihn über die Systeme der Zeit, das Fichte’sche so wenig wie
das Kant’sche ausgenommen (H. R. S. 62). Am 10. December
desselben Jahres berichtet sein Freund Böhlendorf an Rist in
überschwänglichem Ton: Herbart habe sein System gefunden,
auf dem Lande in einem anmuthigen Wäldchen bei Engisstein
unweit Hochstetten im Bernerlande, wo er in freier Natur drei
Wochen eremitisirte und wo ihm die ,Muse' begegnet ist (a. a.
O. S. 88). Herbart in einem Anschluss bestätigt den Bericht;
nur sollte der Freund statt eines Systems an einige erste Punkte
eines solchen denken, deren Unrichtigkeit, setzt er bescheiden
hinzu, er beim weiteren Auszeichnen noch nicht gefunden habe.
(A. a. 0. S. 89.)
Diese ,seine' Wissenschaftslehre enthielt der ,erste
problematische Entwurf der Wissenslehre' (Engisstein Ende
August 1798), die der Herausgeber seiner Kleinen Schriften
zuerst in diesen bruchstücksweise, sodann in den Särnmtlichen
Werken unverkürzt sainmt ,den wahrscheinlich kurz
darauf niedergeschriebenen Anmerkungen' (Kl. Sehr. I. S. XLII
u. ff. S. W. XII. S. 38—57) mitgetheilt hat. Der Titel weist
auf Fichte zurück, dessen Wissenschaftslehre Herbart die
,eigene' entgegensetzt. Auch der Anfang verräth die bestimmte
Beziehung auf die Ichphilosophie. Das erste Wort des Entwurfs
lautet: Ich, und dessen erste Frage: Was bedeutet das
Wort? Auch die Antwort lautet noch Fichte’sch: ,Ein-sichsein-Ich-Vorstellen.'
Aber damit hört die Identität auf, um dem
entschiedenen Gegensatz Raum zu geben.
Schon in der Schrift gegen Schelling hat er das Ich, zu
dessen Begriff das Sich-selbst-setzen wesentlich gehört, für einen
widersprechenden Begriff, aber auch eben darum für ein Princip
erklärt. Hier wirft er demselben vor, dass seine Erklärung ,im
Cirkel läuft', ein Vonvurf, den er seitdem durch die ganze Entwicklung
seines Philosophirens festgehalten und um deswillen
er das Ich für ein Problem erklärt hat. ,Ein Ich -— das ist
wieder ein Sich-sein-Ich-Vorstellen. Der Cirkel läuft immer
weiter in sich zurück. Eine Vorstellung soll die andere vorstellen;
aber Vorstellung weist endlich auf ein Vorgestelltes
hin, das nicht wieder Vorstellung von etwas Anderem sei.