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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Perioden  in  Herbart’s  philosophischem  Geistesgang.

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schreibt  er  an  seine  über  seine  künftige  Lebensstellung  besorgten ­
  Eltern  in  entschiedenem  Tone:  eine  innere  Gewissheit  erhebe
ihn  über  die  Systeme  der  Zeit,  das  Fichte’sche  so  wenig  wie
das  Kant’sche  ausgenommen  (H.  R.  S.  62).  Am  10.  December
desselben  Jahres  berichtet  sein  Freund  Böhlendorf  an  Rist  in
überschwänglichem  Ton:  Herbart  habe  sein  System  gefunden,
auf  dem  Lande  in  einem  anmuthigen  Wäldchen  bei  Engisstein
unweit  Hochstetten  im  Bernerlande,  wo  er  in  freier  Natur  drei
Wochen  eremitisirte  und  wo  ihm  die  ,Muse'  begegnet  ist  (a.  a.
O.  S.  88).  Herbart  in  einem  Anschluss  bestätigt  den  Bericht;
nur  sollte  der  Freund  statt  eines  Systems  an  einige  erste  Punkte
eines  solchen  denken,  deren  Unrichtigkeit,  setzt  er  bescheiden
hinzu,  er  beim  weiteren  Auszeichnen  noch  nicht  gefunden  habe.
(A.  a.  0.  S.  89.)
Diese  ,seine'  Wissenschaftslehre  enthielt  der  ,erste
problematische  Entwurf  der  Wissenslehre'  (Engisstein  Ende
August  1798),  die  der  Herausgeber  seiner  Kleinen  Schriften
zuerst  in  diesen  bruchstücksweise,  sodann  in  den  Särnmtlichen
  Werken  unverkürzt  sainmt  ,den  wahrscheinlich  kurz
darauf  niedergeschriebenen  Anmerkungen'  (Kl.  Sehr.  I.  S.  XLII
u.  ff.  S.  W.  XII.  S.  38—57)  mitgetheilt  hat.  Der  Titel  weist
auf  Fichte  zurück,  dessen  Wissenschaftslehre  Herbart  die
,eigene'  entgegensetzt.  Auch  der  Anfang  verräth  die  bestimmte
Beziehung  auf  die  Ichphilosophie.  Das  erste  Wort  des  Entwurfs ­
  lautet:  Ich,  und  dessen  erste  Frage:  Was  bedeutet  das
Wort?  Auch  die  Antwort  lautet  noch  Fichte’sch:  ,Ein-sichsein-Ich-Vorstellen.'
  Aber  damit  hört  die  Identität  auf,  um  dem
entschiedenen  Gegensatz  Raum  zu  geben.
Schon  in  der  Schrift  gegen  Schelling  hat  er  das  Ich,  zu
dessen  Begriff  das  Sich-selbst-setzen  wesentlich  gehört,  für  einen
widersprechenden  Begriff,  aber  auch  eben  darum  für  ein  Princip
erklärt.  Hier  wirft  er  demselben  vor,  dass  seine  Erklärung  ,im
Cirkel  läuft',  ein  Vonvurf,  den  er  seitdem  durch  die  ganze  Entwicklung ­
  seines  Philosophirens  festgehalten  und  um  deswillen
er  das  Ich  für  ein  Problem  erklärt  hat.  ,Ein  Ich  -—  das  ist
wieder  ein  Sich-sein-Ich-Vorstellen.  Der  Cirkel  läuft  immer
weiter  in  sich  zurück.  Eine  Vorstellung  soll  die  andere  vorstellen; ­
  aber  Vorstellung  weist  endlich  auf  ein  Vorgestelltes
hin,  das  nicht  wieder  Vorstellung  von  etwas  Anderem  sei.
            
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