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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Perioden  in  Herbart’s  philosophischem  Geistesgang.

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Man  darf  wohl  Hartenstein  beistimmen,  wenn  er  bemerkt,
dass  sich  Herbart  durch  die  Gegenbemerkungen  Fichte’s  nicht
für  widerlegt  zu  halten  brauchte.  Auch  ein  unverdächtiger  Zeuge,
J.  H.  v.  Fichte,  hat  Herbart’s  Einwendungen  für  die  ,scharfsinnigsten' ­
  erklärt,  welche  gegen  die  Wissenschaftslehre  in  ihrer
ersten  Gestalt  vorgebracht  worden  seien  (a.  a.  0.  I.  Vorr.
S.  VIII).  ,Man  darf  sagen',  bemerkt  Hartenstein  (Kl.  Sehr.  I.
S.  XXIX),  ,dass  der  Schüler  den  Gedankenkreis  des  Lehrers
durchschaute,  aber  nicht  umgekehrt'.  Die  widersprechende  Natur
des  Begriffs  vom  Ich  lag  ihm  klar  vor  Augen,  und  damit  die
Unmöglichkeit,  denselben  nach  Schelling’s  Vorgang  an  die  Stelle
des  absoluten  Seins  als  einzige  und  Ur-Realität  aller  abgeleiteten
Realität  zu  Grunde  zu  legen.  Daher  konnte  alles,  was  nach
dieser  Zeit  in  der  Richtung  des  Idealismus  von  Fichte,  Schelling
und  deren  Nachfolgern  hervorgebracht  wurde,  wie  Hartenstein
treffend  anmerkt,  für  Herbart  ,kein  eigentliches  wissenschaftliches ­
  Interesse'  mehr  haben.  Sein  Bruch  mit  dem  Idealismus
war  entschieden,  das  freundschaftliche  Verhältniss  mit  Fichte
bestand  noch  eine  Zeitlang  fort.  Im  Nachlass  ist  ein  ungedruckter
Brief  Fichte’s  an  Herbart,  der  sich  damals  als  Hauslehrer  in
der  Schweiz  befand,  vom  1.  Januar  1798  aus  Jena  vorhanden,
der  von  der  Fortdauer  der  wohlwollenden  Gesinnungen  des
Schreibers  Zeugniss  gibt.  Eben  daselbst  findet  sich  das  Concept
eines  Schreibens  an  Fichte,  das  vielleicht  nicht  zur  Absendung
gelangte,  da  es  in  Fichte’s  literarischem  Briefwechsel  nicht
erscheint,  vom  24.  März  1799  aus  Bern,  das  Fichte’s  ,Befehl
gemäss'  eine  ,Probe,  möglichst  klein  und  kurz',  offenbar  von
weiteren  Bemerkungen  über  Fichte’s  Philosophie  zu  geben
bestimmt  war.  Wenigstens  finden  sich  auf  der  Rückseite  des
Blatts  Anmerkungen  zu  S.  9  und  S.  14  des  Systems  der  Sittenlehre. ­
  Beide  Actenstücke  werden  im  Anhänge  mitgetheilt.  Von
jener  Zeit  an  erlischt  jede  Spur  eines  persönlichen  Verkehrs
zwischen  Beiden;  doch  erhielt  Herbart  während  seines  Aufenthalts
in  der  Schweiz  von  den  in  Jena  weilenden  Freunden  (z.  B.  von
Erich  v.  Berger)  Nachricht  über  Fichte.
Schon  aus  Herbart’s  Beurtheilung  Schelling’s  geht  hervor,
dass  sich  allmälig  das  Bedtirfniss  in  demselben  entwickelt  hatte,
seinen  eigenen  Weg  einzuschlagen.  In  dem  Sommer,  welcher
der  Abfassung  derselben  vorherging  und  während  dessen  er
            
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