Perioden in Herbart’s philosophischem Geistesgang.
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Man darf wohl Hartenstein beistimmen, wenn er bemerkt,
dass sich Herbart durch die Gegenbemerkungen Fichte’s nicht
für widerlegt zu halten brauchte. Auch ein unverdächtiger Zeuge,
J. H. v. Fichte, hat Herbart’s Einwendungen für die ,scharfsinnigsten'
erklärt, welche gegen die Wissenschaftslehre in ihrer
ersten Gestalt vorgebracht worden seien (a. a. 0. I. Vorr.
S. VIII). ,Man darf sagen', bemerkt Hartenstein (Kl. Sehr. I.
S. XXIX), ,dass der Schüler den Gedankenkreis des Lehrers
durchschaute, aber nicht umgekehrt'. Die widersprechende Natur
des Begriffs vom Ich lag ihm klar vor Augen, und damit die
Unmöglichkeit, denselben nach Schelling’s Vorgang an die Stelle
des absoluten Seins als einzige und Ur-Realität aller abgeleiteten
Realität zu Grunde zu legen. Daher konnte alles, was nach
dieser Zeit in der Richtung des Idealismus von Fichte, Schelling
und deren Nachfolgern hervorgebracht wurde, wie Hartenstein
treffend anmerkt, für Herbart ,kein eigentliches wissenschaftliches
Interesse' mehr haben. Sein Bruch mit dem Idealismus
war entschieden, das freundschaftliche Verhältniss mit Fichte
bestand noch eine Zeitlang fort. Im Nachlass ist ein ungedruckter
Brief Fichte’s an Herbart, der sich damals als Hauslehrer in
der Schweiz befand, vom 1. Januar 1798 aus Jena vorhanden,
der von der Fortdauer der wohlwollenden Gesinnungen des
Schreibers Zeugniss gibt. Eben daselbst findet sich das Concept
eines Schreibens an Fichte, das vielleicht nicht zur Absendung
gelangte, da es in Fichte’s literarischem Briefwechsel nicht
erscheint, vom 24. März 1799 aus Bern, das Fichte’s ,Befehl
gemäss' eine ,Probe, möglichst klein und kurz', offenbar von
weiteren Bemerkungen über Fichte’s Philosophie zu geben
bestimmt war. Wenigstens finden sich auf der Rückseite des
Blatts Anmerkungen zu S. 9 und S. 14 des Systems der Sittenlehre.
Beide Actenstücke werden im Anhänge mitgetheilt. Von
jener Zeit an erlischt jede Spur eines persönlichen Verkehrs
zwischen Beiden; doch erhielt Herbart während seines Aufenthalts
in der Schweiz von den in Jena weilenden Freunden (z. B. von
Erich v. Berger) Nachricht über Fichte.
Schon aus Herbart’s Beurtheilung Schelling’s geht hervor,
dass sich allmälig das Bedtirfniss in demselben entwickelt hatte,
seinen eigenen Weg einzuschlagen. In dem Sommer, welcher
der Abfassung derselben vorherging und während dessen er