218
Ziminermaun.
das gegenseitig einander beschränkende Ich und Nicht-Ich) ist
absolut, wird und muss und kann aber dennoch abgeleitet
werden; da hingegen das Ich nicht absolut ist und doch (NB.
vom Philosophen) absolut gesetzt wird und nicht abzuleiten
ist'.
Je mehr Fichte’s Gegenbeweis in der behaupteten ,Ursprünglichkeit'
der Beschränktheit wurzelt, desto bedeutungsvoller
erscheint, dass schon jene ersten schriftlichen Bedenken
Herbart’s gegen dieselbe gerichtet erscheinen. Die Handlung,
durch welche das Ich sich ein Nicht-Ich entgegensetzt, wird
in der Wissenschaftslehre (zweiter Grundsatz) als eine ursprüngliche
, unter den ,empirischen Thatsachen des Bewusstseins'
vorkommende bezeichnet. Herbart glaubte zu bemerken, dass
dieselbe entweder von der ursprünglichen des Setzens nicht
verschieden oder dass eine doppelte Handlung des Entgegensetzens
möglich sei. Im ersten Fall wäre dieselbe nicht ursprünglich,
im zweiten gäbe es der ursprünglichen Handlungen
mehrere, als die Wissenschaftslehre zulässt. Herbart kommt auf
jene Bedenken nicht wieder zurück, aber der ganze Nachdruck
seiner Argumentation wider Schelling ruht auf der von diesem
und Fichte behaupteten Ursprünglichkeit der Beschränktheit.
,Weichen wir', sagt er, ,mit Schelling, von dem Hauptgedanken,
dass das Wissen, um Realität zu enthalten, in einem
Sicli-selbst-setzen bestehen (dass es das Ich sein) musste, dahin
ab, dass dies Sicli-selbst-setzen zugleich ein Sich-nicht-selbstsetzen
sei, so wird die Realität, die eben in ihrem Setzen bestand,
auch mit demselben wachsen'. Sie ist nun nicht mehr bloss,
inwiefern sie sich, sondern auch, inwiefern sie ihr Nicht-Sein
setzt. Nun wird der Begriff des Ich durch den des sich-Setzens
erschöpft; folglich ist jene Realität mehr als das Ich. Folglich
ist Schelling’s absolutes Ich noch etwas ausser dem Ich, folglich
insofern ein Ding an sich'.
Darauf erwiedert Fichte:,Die Realität (sowohl alsSich-selbstsetzen,
als auch als Sich-nicht-selbst-setzen) ist doch nur, inwiefern
sie setzt'. Herbart hat diese Bemerkung nicht beachtet, obwohl
sie ein offenbares Sophisma enthält. Denn nicht im,Setzen' besteht
ja das Wesen des Ich, sondern im ,Sich-selbst-setzen'. Und eben
darin, dass das Ich zugleich ein ,Sich-selbst-setzen' und ein ,Sichnicht-selbst-Setzen'
sein soll, ist dessen Widerspruch enthalten.