Perioden in Herbart’s philosophischem Geistesgang.
217
rechtfertigt gleichsam Herbart’s Zusammenstellung Schelling’s
mit Spinoza, indem sie besagt: ,So erklärt verfalle Schelling
eigentlich in die Unerweislichkeit, die bei Spinoza stattlinde und
die Jacobi in’s Licht setze: woher dann die Beschränktheit des
Alls?' Darin eben bestand die Stärke von Herbart’s Argumentation,
dass man bei einem System, welches sich selbst als
Gegenstück zum Spinozismus gibt und das Ich an die Stelle der
absoluten Substanz setzt, auch mit Recht fragen dürfe : woher
dann die Beschränktheit des Ich? Dieselbe zu entkräften, hat
Fichte nur die Bemerkung, er sehe nicht ein, warum man Schelling
so erklären müsse. Das Richtige wäre gewesen zu zeigen,
dass man ihn so nicht erklären könne. Fichte setzt dazu an,
indem er behauptet, es bestehe wirklich ein Unterschied zwischen
Spinoza und Schelling. Letzterer nimmt bei dem Ich ein ,Streben'
an, das Spinoza bei dem ,Unendlichen' nicht annimmt. Und nun
folgt der Gegengrund, auf dem Ficlite’s ganze Vertlieidigung
gegen Herbart ruht: ,Wer auch nur ein Streben annimmt, der
nimmt ja wohl eine ursprüngliche Beschränktheit an. Sie
ist absolut und kann nicht weiter abgeleitet werden.
— Dass sie durch ein Nicht-Ich erklärt werde, davon liegt der
Grund im Ich, in seinen Reflexionsgesetzen'.
Dass durch diese Behauptung der Knoten zerhauen, aber
keineswegs gelöst sei, springt in die Augen. Durch die Behauptung
der Ursprünglichkeit der Beschränktheit ist zwar jede
weitere Frage nach deren: Woher? mit einem Verbot belegt,
die Beschränktheit selbst aber ist nicht dadurch erklärt. Dieselbe
soll als unerklärte und unerklärliche Thatsache hingenommen
werden. Durch die Einführung des ,Strebens‘ in das
,Unendliche' Spinoza’s wird daher wohl, da ,Streben und Beschränktheit
und Nicht-Ich Eins sind', dessen Beschränktheit
erklärt, aber die Berechtigung jener Einführung derselben
als einer ursprünglichen bleibt unerklärt. ,Ich rede',
wendet Herbart gegen Fichte’s Note ein, ,nicht von Dogmen
und Resultaten, sondern von der Consequenz; nicht vom Annehmen,
sondern vom Folgern. Streben und Beschränktheit und
Nicht-Ich sind Eins; aber Schelling widerspricht sich durch die
Annahme desselben. Denn erst ist ihm das Sich-setzen alle Realität,
und dann besteht einige Realität von diesem sich-Setzen,
vom Ich, im Sich-nicht-setzen. —Die Beschränktheit (oder