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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Perioden  in  Herbart’s  philosophischem  Geistesgang.

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sie  dadurch  erklärbar  zu  machen.  ,Wie  sollte  denn  sonst  das
Unbedingte  dazu  kommen,  etwas  zu  bedingen?*
Freilich  in  ganz  anderem  Sinne  als  von  Fichte  und  Schelling
  wird  der  Begriff  des  Ich  hier  als  Princip  angewandt.  Jenen
beiden  ist  derselbe,  um  ein  scholastisches  Wort  zu  gebrauchen,
das  principium  essendi,  diesem  dagegen  das  principium  cognoscendi,
  jenen  das  Unbedingte  im  Sein,  diesem  ein  Unbedingtes
im  Denken.  Der  Uebergang  von  diesem  zu  jenem,  wenn  er
überhaupt  möglich  ist,  kann  nur  durch  einen  ,ungeheuren  Sprung*
erfolgen.  Da,s  Ich  als  Unbedingtes  im  Sein  d.  i.  als  Inbegriff
aller  Realität  aber  einmal  gesetzt,  entspringt  in  Schelling’s  (und
Fichte’s)  System  eine  Inconsequenz,  die  ,zwar  unvermeidlich*
ist,  aber  die  ganze  ,Unrichtigkeit  desselben  in  sich  concentrirt*.
Für’s  Erste  freilich  zeigt  Schelling’s  System  die  höchste
Consequenz.  Unser  Wissen  muss  Realität  haben  —  das  heisst
in  Schelling’s  Sinn;  es  muss  ein  absolutes  Sein  enthalten.  Da
dasselbe  nicht  wie  in  Jacobi’s  unmittelbarer  Offenbarung  der
Dinge  ,von  Aussen  durch  das  Fenster*  in  unsere  Seele  hereinsteigen
  soll,  so  muss  das  absolute  Ich  nur  in  unserem  Wissen
stattfinden.  Wissen  und  Sein  müssen  im  strengsten  Sinn  zusammenfallen. ­
  Das  gibt  den  Begriff  des  Ich.  Die  Realität  weiss
sich  selbst  und  da  das  Wissen  als  eine  Thätigkeit  gedacht  wird,
die  Realität  ist  in  uns  durch  die  Thätigkeit,  sie  erzeugt  sich
selbst  in  ihrer  Thätigkeit,  sie  ist  nichts  anderes  als  diese  Thätigkeit. ­
  Folglich  ist  durch  das  Sich-selbst-setzen  der  ganze
Umkreis  des  absoluten  Seins  erschöpft.  Das  Sich-selbst-setzen
ist  also  Realität  und  die  Kenntniss,  die  das  Ich  von  sich
selbst  hat,  kann  weder  Begriff,  noch  sinnliche  Anschauung,  sie
kann  nur  eine  unmittelbare  Kenntniss  des  erkennenden  Vermögens ­
  selbst  (intellectus),  eine  intellectuale  Anschauung  heissen.
—  Kann  nun,  fährt  Herbart  fort,  nach  allen  diesen  Bestimmungen, ­
  deren  höchste  Consequenz  einleuchtet,  etwas  befremdender
sein,  als  plötzlich  jene  Allheit  der  Realität  noch  vermehrt  zu
sehen?  Denn  nun  auf  einmal  geht  aus  jenem  absoluten  Sein,
das  sich  in  der  einzigen  Handlung  des  sich-selbst-Erzeugens ­
  erschöpfte,  ohne  weiteren  Grund  (vgl.  Schell,  a.  a.  0.
S.  187  Anhang)  noch  eine  zweite  Handlung  hervor;  nun  auf
einmal  wird  erst  das  Wissen  grösser  als  das  Sein,  denn  das
Ich  setzt  sich  eine  absolute  Negation  entgegen,  die  Nichts  ist,
            
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