Perioden in Herbart’s philosophischem Geistesgang.
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sie dadurch erklärbar zu machen. ,Wie sollte denn sonst das
Unbedingte dazu kommen, etwas zu bedingen?*
Freilich in ganz anderem Sinne als von Fichte und Schelling
wird der Begriff des Ich hier als Princip angewandt. Jenen
beiden ist derselbe, um ein scholastisches Wort zu gebrauchen,
das principium essendi, diesem dagegen das principium cognoscendi,
jenen das Unbedingte im Sein, diesem ein Unbedingtes
im Denken. Der Uebergang von diesem zu jenem, wenn er
überhaupt möglich ist, kann nur durch einen ,ungeheuren Sprung*
erfolgen. Da,s Ich als Unbedingtes im Sein d. i. als Inbegriff
aller Realität aber einmal gesetzt, entspringt in Schelling’s (und
Fichte’s) System eine Inconsequenz, die ,zwar unvermeidlich*
ist, aber die ganze ,Unrichtigkeit desselben in sich concentrirt*.
Für’s Erste freilich zeigt Schelling’s System die höchste
Consequenz. Unser Wissen muss Realität haben — das heisst
in Schelling’s Sinn; es muss ein absolutes Sein enthalten. Da
dasselbe nicht wie in Jacobi’s unmittelbarer Offenbarung der
Dinge ,von Aussen durch das Fenster* in unsere Seele hereinsteigen
soll, so muss das absolute Ich nur in unserem Wissen
stattfinden. Wissen und Sein müssen im strengsten Sinn zusammenfallen.
Das gibt den Begriff des Ich. Die Realität weiss
sich selbst und da das Wissen als eine Thätigkeit gedacht wird,
die Realität ist in uns durch die Thätigkeit, sie erzeugt sich
selbst in ihrer Thätigkeit, sie ist nichts anderes als diese Thätigkeit.
Folglich ist durch das Sich-selbst-setzen der ganze
Umkreis des absoluten Seins erschöpft. Das Sich-selbst-setzen
ist also Realität und die Kenntniss, die das Ich von sich
selbst hat, kann weder Begriff, noch sinnliche Anschauung, sie
kann nur eine unmittelbare Kenntniss des erkennenden Vermögens
selbst (intellectus), eine intellectuale Anschauung heissen.
— Kann nun, fährt Herbart fort, nach allen diesen Bestimmungen,
deren höchste Consequenz einleuchtet, etwas befremdender
sein, als plötzlich jene Allheit der Realität noch vermehrt zu
sehen? Denn nun auf einmal geht aus jenem absoluten Sein,
das sich in der einzigen Handlung des sich-selbst-Erzeugens
erschöpfte, ohne weiteren Grund (vgl. Schell, a. a. 0.
S. 187 Anhang) noch eine zweite Handlung hervor; nun auf
einmal wird erst das Wissen grösser als das Sein, denn das
Ich setzt sich eine absolute Negation entgegen, die Nichts ist,