Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

214

Zimmermann.

Schelling)  nicht  absolutes  Sein,  sondern  (gegen  Fichte)  dass
es  ,seinem  Begriffe-  nach  gar  nicht  sei'.  Dass  dadurch  auch  die
,Thätigkeit'  desselben  aufhöre,  braucht  kaum  noch  gesagt  zu
werden.  Wird  der  Begriff  des  Ich  mit  dem  absoluten  Sein  verwechselt, ­
  so  sind  alle  jene  Vorstellungsarten,  die  aus  dem  Begriff ­
  des  Ich  hervorgehen,  jene  Form  der  Identität  und  jenes
Bedingtsein  durch  sich  selbst,  wie  fruchtbar  sie  auch  für  die
Philosophie  sein  würden,  für  dieselbe  so  gut  wie  verloren;  sie
sinken  zu  blossen  genauem  Bestimmungen  herab,  aus  denen  nichts
folgt,  als  was  in  ihnen  unmittelbar  enthalten  ist.  Schelling  vermag ­
  daher  sein  Ich  in  der  Folge  nur  durch  eine  Reihe  von
Prädicaten  hindurchzuführen;  denn  sobald  jene  widersprechenden ­
  Begriffe  den  Stempel  des  absoluten  Seins  erhalten  haben,
sind  die  Widersprüche  in  ihnen  durch  Machtsprüche  vernichtet
und  die  philosophirende  Vernunft  hat  ihr  Recht  verloren,  ihnen
noch  etwas  zuzusetzen,  wodurch  sie  erklärbar  würden.  Wer
kann  denn  das  absolute  Sein  noch  erklären?
Fichte  begleitet  die  beiden  letzten  Ausstellungen  mit  der
Randnote:  Sehr  gut.  Er  scheint  also  in  Herbart’s  Tadel  einzustimmen. ­
  Da  nun  der  Tadel  Ilerbart’s  wesentlich  die  Verwechslung ­
  des  Ichs  mit  dem  absoluten  Sein  trifft,  so  müsste
Fichte  consequenterweise  auch  diese  verwerfen.  Scheinbar
thut  er  dies  auch,  indem  er  aus  Herbart’s  Auseinandersetzung
,nur  so  viel'  versteht,  dass  aus  dem  Sein  nichts  werde,  und
man  zu  seiner  Thätigkeit  übergehen  solle.  Andererseits  behauptet
er  selbst,  dass  mit  dem  Ich  das  ganze  System  gesetzt,  dasselbe
zugleich  Princip,  Verfolg  und  Resultat,  daher  durch  die  ,philosophirende ­
  Vernunft  nichts  zuzusetzen'  sei.  Herbart  ist  folglich
im  Recht,  wenn  er  diesen  Beifall  ,sehr  inconsequent'  findet.
Wenn  aber  Herbart  dem  Ich  nicht  nur  das  .Einssein  mit
dem  absoluten  Sein,  sondern  das  Sein  selbst  abspricht,  so  ist
er  weit  entfernt  davon,  ihm  das  Principsein  abzusprechen.  ,Gerade ­
  weil  dessen  Begriff  in  sich  widersprechend  ist  und  nur
inwiefern  er  dafür  anerkannt  wird,  ist  es  möglich,  eine  Philosophie ­
  von  ihm  abzuleiten  oder  vielmehr  an  ihn  anzuknüpfen'.
Wären  jene  Begriffe  nicht  unerklärlich,  so  bedürften  sie  keiner
Erklärung  und  riefen  daher  auch  keinen  Versuch  einer  solchen
hervor.  Dass  sie  widersprechend  sind,  gibt  der  philosophirenden
  Vernunft  das  Recht,  denselben  etwas  hinzuzusetzen,  um
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.