Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

210

Zimmermann.

Realität“.  Beides  ist  ein  Gedanke  nur,  wenn  sein  Gedachtes
dem  Versuche  es  weg-  d.  i.  nicht  zu  denken,  Widerstand  entgegensetzt, ­
  d.  h.  wenn  es  ein  Nichtniehtzudenkendes,  ein  sich
dem  Denken  aufdrängender  Gedanke  ist  (wie  es  z.  B.  die
widersprechenden  Erfahrungshegriffe  sind).  Allein  daraus,  dass
ein  Gedachtes  nothwendig  gedacht  werden  muss,  folgt  doch
offenbar  nicht,  dass  ein  Nothwendiges  gedacht  worden  sei!
,Unser  philosophisches  Princip  sei  ein  blosses,  aber  nothwendiges
  Product  der  Einbildungskraft  oder  'es  entspreche  ihm  eine
von  ihm  noch  unterscheidbare  Realität,  ist  es  ein  richtiger
Schluss:  weil  die  Einbildungskraft  unbedingt  nothwendig  produciren
  muss,  oder  weil  eine*gewisse  Realität  unbedingt  nothwendig ­
  erkannt  wird,  darum  ist  oder  enthält  das  Product
oder  die  Realität  selbst  Nothwendigkeit  und  Unbedingtheit;?“
Fichte  setzte  am  Rand  die  Bemerkung  hinzu:  ,Beides  sei
in  der  transcendentalen  Philosophie  Eins  und  Dasselbe.  Ilerbart’s
  Unterscheidung  sei  die  ganz  gewöhnliche  des  Dogmatismus“'.. ­
  Herbart  erklärt  diesen  Tadel  aus  (Missverstand“.  Fichte
habe  seine  Scheidung  für  die  zwischen  Sein  und  Wissen  gehalten, ­
  da  sie  doch  schlechterdings  keine  andere  sei,  als  die
zwischen  verschiedenen  Reflexionsstandpunkten.  Die  Sache
verhalte  sich  so.  Durch  die  absolute  Thesis  auf  dem  ersten,
untersten  Reflexionspunkte  komme  vor  ein  mit  Zwang  und
Nothwendigkeit  so  und  so  bestimmtes  Gefühl;  und  hier  sei  die
Quelle  aller  unmittelbaren,  unbedingten  Gewissheit.  Allein  diese
Unbedingtheit  werde  durch  die  absolute  Thesis  noch  ganz  und
gar  nicht  gesetzt  (vgl.  oben  das  ,notliwendige“  Denken,  das  auch
erst  nachher  als  solches  im  Gegensatz  gegen  das  willkürliche ­
  erkannt  wird);  sondern  erst  muss  auf  einem  höheren
Reflexionsstandpunkte  Bedingtheit  gesetzt  sein,  dann  erst
wird  auf  einem  noch  höheren  Reflexionspunkt  jene  erste
Thesis  als  unbedingt  d.  h.  als  jener  Bedingtheit  entgegengesetzt ­
  noch  weiter  bestimmt.  ,Hierin  liegt  der  Unterschied ­
  zwischen  unbedingtem  Gedachtwerden  und
gedachter  Unbedingtheit“.
In  der  That  zeigt  jede  aufmerksame  Erwägung  jener  Stelle,
dass  Herbart  den  Standpunkt  der  Transcendentalphilosophie  und
jenen  des  ,Dogmatismus“  genau  unterschieden  hat.  Es  sei  nun,  sagt
er,  unser  philosophisches  Princip  ,ein  blosses  aber  nothwendiges
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.