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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

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Zimmer  mann.

Schelling  geht  von  der  Ansicht  aus,  es  könne  nur  Einen
obersten  Grundsatz  geben  und  dieser  müsse  als  solcher  einen
schlechthin  unbedingten  Inhalt  haben.  Er  schliesst  also  einerseits ­
  jede  Mehrheit  von  Principien  aus  und  erklärt  andererseits
die  Unbedingtheit  des  Inhalts  für  genügend  zum  Princip.  Demgemäss ­
  definirt  er  einerseits  die  Wissenschaft,  —  ihr  Inhalt  sei
welcher  er  wolle  —  als  ein  Ganzes,  das  unter  der  Form  der
Einheit  steht  (a.  a.  0.  S.  90),  und  folgert  andererseits  aus  der
Unhedingtheit  des  Inhalts,  dass  ein  schlechthin  Unbedingtes
nur  ein  sich  selbst  Setzendes  sein  könne  (a.  a.  0.  S.  96).
Gegen  das  erstere  bemerkt  Herbart,  dass  ,auch  ein  blosses
Aggregat'  ein  Ganzes  sei  und  die  Form  der  Einheit  habe;  ein
Aggregat  aber  ,soll  die  Wissenschaft  doch  nicht  sein?'  Ebensowenig ­
  könne  die  blosse  Aggregation,  d.  i.  diejenige  Handlung
des  Geistes,  durch  welche  ein  Aggregat  von  Sätzen,  ,das  ganz
willkürlich  sein  kann',  entsteht,  ein  wissenschaftlicher  Grundsatz ­
  heissen.  Ein  solcher  soll  sich  die  abgeleiteten  Sätze  nicht
bloss  ,unterordnen',  er  soll  ,sie  ganz  und  gar  aus  sich  hervorbringen ­
 1 .  Das  Princip  einer  Wissenschaft  kann  nur  ein
Inhalt  sein,  der  nothwendig  auf  allen  andern  Inhalt  führt  d.  h.
nicht  bloss  unbedingt,  sondern  allen  andern  bedingend  ist.  Käme
es  bloss  auf  das  erstere  an,  so  dürften  wir  ,gar  nicht  verlegen'
sein;  denn  die  ganze  Sphäre  unserer  Empfindungen  steht  mit
unserem  Selbstbewusstsein  in  jedem  Moment  unseres  Daseins
völlig  unbedingt  in  uns  da.  Aber  ,keine  philosophische  Untersuchung ­
  kann  von  einem  Princip  ausgehen,  das  nicht  in  sie
hineintreibt'.  ,Jedes  Princip  muss  an  sich  d.  h.  ohne  das
System  gewiss  und  dennoch  ohne  dasselbe  unmöglich  sein.
Aus  der  Auflösung  dieses  Widerspruchs  muss  sich  das  allgemeine ­
  Princip  ergeben.'
Weder  die  Einzigkeit  noch  die  Unbedingtheit  (dem  Inhalt
nach)  genügt  Herhart  als  charakteristische  Eigenschaft  eines
Princips;  vielmehr  findet  er  dieselbe  in  dem  ihm  anhaftenden
Widerspruch,  dass  dasselbe  zugleich  ohne  das  System  gewiss
d.  h.  nicht  abzuweisen,  und  dennoch  ohne  dasselbe  unmöglich
d.  h.  nicht  zu  behalten  sei.  Gegen  die  Forderung  der  Einzigkeit ­
  wendet  er  ein:  es  sei  eine  Frage,  ob  Ein  einziger  Grundsatz ­
  der  Ableitung  alles  denkbaren  Inhalts  aus  demselben  gewachsen ­
  sei;  ,mehrere  schlechthin  gewisse  Sätze  können  sich
            
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