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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Xenophontische  Studien.

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III.  Apologie.
Die  Apologie  ist,  wie  ich  in  den  Studien  II,  136  f.  bemerkt ­
  habe,  ein  rhetorisches  Exercitium,  welches  etwa  im
zweiten  Jahrhunderte  vor  Christus  in  einer  Rhetorensehule  entstanden ­
  ist.  Der  Verfasser  benützte  für  seinen  Zweck  die
Apomnemoneumata,  welche  ihm  bereits  in  derselben  Gestalt
wie  jetzt  uns  Vorlagen,  und  zwar  für  §§.  2—8  das  unechte
Schlusscapitel,  für  10—22  die  beiden  ersten  Capitel  des  ersten
Buches,  dann  noch  Platons  Apologie,  besonders  cc.  14,  26  und
30.  Aus  Herodot  I,  65  hat  er  die  Notiz  über  das  dem  Lykurgos
gegebene  Orakel  entnommen  (vgl.  wq  scnjie  eq  tb  piyapov  mit
§.  15  s!q  T3V  vabv  ewiovTa),  aus  Platons  Kriton  die  über  den
Versuch  den  Sokrates  heimlich  aus  dem  Gefängnisse  zu  entführen ­
  (vgl.  Crit.  c.  4  mit  §.  23  sw&stjiai).  Im  Einzelnen ­
  zeigt  er  sich  meistens  von  Xenophon  abhängig,  den  er
häufig  wörtlich  ausschreibt,  noch  häufiger  aber  paraphrasiert,
wobei  er  sich  Ungeschicklichkeiten  aller  Art,  besonders  Uebertreibungen
  zu  Schulden  kommen  lässt.  Auch  an  solchen  Stellen,
wo  er  nicht  bestimmte  Sätze  nachbildet,  zeigt  sich  das  Bestreben ­
  den  Stil  Xenophons  nachzuahmen.  Daneben  entlehnt
er  mehrfach  Phrasen  und  Wendungen  aus  Platons  Apologie,
z.  B.  §.  2  biaipöq  te  rjv  .  .  .  -/.ai  eqifyyeiXe  aus  c.  5  sxaTpo?  vjv  .  .  .
etatpoc  te  y.ai  auvapuye,  anderes  scheint  er  aus  Herodot  und
Thukydides  entnommen  zu  haben.  Alles  dies  zeigt  ihn  uns
als  einen  Menschen  von  beschränktem  Geiste  und  massiger
Lectüre.  Wahrscheinlich  haben  wir  es  mit  einem  jungen  Manne
zu  thun,  der  sich  hier  zum  ersten  Male  in  einer  grösseren
Schrift  unter  Anleitung  eines  Lehrers  versuchte.
Dass  es  auf  keine  Fälschung  abgesehen  war,  habe  ich
am  a.  a.  0.  gezeigt.  Die  Schrift  kam  ohne  den  Namen  ihres
Verfassers  ins  Publicum  und  wurde  dann  eben  wegen  ihrer
vielfachen  Uebereinstimmung  mit  den  Apomnemoneumata  dem
Xenophon  zugeschrieben.  Man  that  dies  um  so  lieber,  weil  man
nach  dem  Titel  SwzpotTouq  am'kofia.  zpbq  -ob:  Sixaercä?  in  ihr  gerade
so  wie  im  Symposion  ein  Gegenstück  zu  einem  Platonischen
Dialoge  zu  haben  glaubte.  Jedenfalls  war  sie,  wie  aus  Diog.
Laert.  II,  6,  13  erhellt,  schon  um  die  Zeit  des  Demetrios  von
            
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