Der Portulan des Infanten und nachmaligen Königs Philipp II. von Spanien. 559
und Schönheit der Ausführung von dem Atlas des spanischen
Infanteu weit übertroffen.
Die vorstehenden Erörterungen werden, wie ich hoffe
ausreichen, unseren Portulan nach seiner Eigenart und seinem
Werthe im Wesentlichen zu charakterisiren. Es wäre indessen
eine ganz dankenswerthe Aufgabe, alle vorhandenen Redactionen
des Agnese’schen Atlas im Zusammenhänge etwas eingehender
zu betrachten. Ganz abgesehen davon, dass bei dieser Gelegenheit
so manche nicht unwichtige Detailfrage zur Sprache käme,
verdient die sorgfältige Arbeit des venetianischen Kartographen
als einheitliches und selbstständiges Werk in der Tliat besondere
Beachtung. Kaum hat jemals ein handschriftlicher
Atlas so grosse Verbreitung gefunden, wie der des Giov. Battista
Ag-nese. Und neben den damaligen Druckausgaben des Ptolemäus
mit ihren unbeholfenen und höchst mangelhaften Kartenbildern,
ist er wohl überhaupt eines der frühesten Beispiele,
dass weiteren Kreisen durch einen Atlas richtigere geographische
Anschauungen vermittelt wurden. Gerade dieses Moment ist es
vor Allem Andern, das dem Werke Agnese’s Werth und
Interesse verleiht. Vielleicht ist es mir gegönnt, in nicht allzu
ferner Zeit auf diesen Gegenstand noch einmal ausführlicher
zurückzukommen.
Nachschrift.
Die vorliegende Abhandlung war bereits der k. Akademie
der Wissenschaften übergeben, als mir durch die freundliche
Vermittlung der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien die
Pariser Original-Ausgabe des Portulans, von der leider
nur wenige Exemplare in die Oeffentlichkeit gelangten, zugänglich
gemacht wurde.
Das wahrhaft luxuriös ausgestattete Werk erschien unter
dem Titel:
,Portulan de Charles-Quint, donne k Philippe II., accompagne
d’une notice explicative par MM. F. Spitzer et
Ch. Wiener. Paris, Imprimerie de J. Claye, Rue Saint-Benoit.
1875/