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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Wieser.

der  portugiesischen  Entdeckungen  zu  Grunde  legte,  vermag
ich  augenblicklich  nicht  zu  entscheiden,  da  ich  nicht  in  der
Lage  gewesen,  eine  Vergleichung  vorzunehmen.  1  Wenn  wir
indessen  erwägen,  dass  die  gedruckte  Karte  von  1534  sich  auf
die  ,neue  Welt'  beschränkt,  so  erscheint  jedenfalls  die  Möglichkeit ­
  nicht  ausgeschlossen,  dass  der  venetianische  Kartograph
für  Afrika  und  Süd-Asien  andere  Quellen  herangezogen.  Dies
wird  noch  wahrscheinlicher,  wenn  wir  bemerken,  dass  sich  auf
seinen  Karten  von  den  genannten  Gebieten  häufig  portugiesische
Ausdrücke  vorfinden.  Vielleicht  hängt  damit  auch  die  merkwürdige ­
  Discrepanz  zwischen  der  Darstellung  von  Nordost-Afrika
  auf  der  9.  und  auf  der  10.  Karte  unseres  Atlas  zusammen. ­
  Auf  ersterer  sind  die  Verhältnisse  ziemlich  richtig
angegeben,  auf  der  letzteren  aber  ist  durch  eine  westliche  Verrückung ­
  der  syrischen  Küste  der  Isthmus  von  Suez  in  geradezu
monströser  Weise  angeschwollen.  Das  Bild  von  Afrika  auf
der  10.  Karte  macht  ganz  den  Eindruck,  als  wären  in  ihm
zwei  nicht  zusammengehörige  Zeichnungen,  des  nordwestlichen
Theiles  einer-  und  des  südöstlichen  andererseits,  willkürlich
aneinander  gestückt  worden,  und  dass  auf  diese  Weise  die
erwähnte  Verschiebung  der  geographischen  Positionen  entstanden. ­
  Eine  bestimmtere  Andeutung  über  diese  muthmassliche
specielle  Quelle  für  die  Darstellung  der  portugiesischen  Entdeckungen ­
  kann  selbstverständlich  vorderhand  nicht  gegeben
werden,  da  ja  die  ganze  Frage  noch  rein  hypothetischer  Natur
ist.  Dass  Agnese  auch  für  Amerika  neben  den  zwei  ,padrones
reales'  von  Hcrnando  Colon  und  Diego  Ribero  noch  andere

Herausgebern  war  aber  weder  der  Name  des  Verfassers,  noch  der  Umstand
bekannt,  dass  uns  in  denselben  nur  Copien  der  beiden  Weimarer
Originale  vorliegen.
Das  Exemplar  des  Agnese’schen  Atlas  auf  der  Münchner  Universitäts-Bibliothek
  gehört  zu  den  jüngsten  Redactionen,  und  fällt  jedenfalls  in
die  zweite  Hälfte  des  XVI.  Jahrh.  In  mehrfacher  Beziehung  ist  dasselbe
von  speciellem  Interesse.  Eine  verwandte  Redaction  besitzt  die  Marciana
in  Venedig  (Matkovic  1.  c.  p.  91  f.),  und  ein  anderer  Manuscript-Atlas
zu  Turin  (beschrieben  von  Wuttke  1.  c.  p.  63  ff.)  ist  mit  demselben
wesentlich  identisch.  Ich  gedenke  diese  Dinge  an  anderer  Stelle  ausführlicher ­
  zu  besprechen.
1  Kohl  hat  nur  die  amerikanischen  Partien  der  Weimarer  Karten  publicirt.
            
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