Der Portulan des Infanten und nachmaligen Königs Philipp II. von Spanien. 547
früheren verglichen, lassen allenthalben die sorgsam uaehbessernde
Hand erkennen. Namentlich am westlichen Saume
von Amerika wird der verhüllende Schleier mehr und mehr
gelüftet, immer bestimmter treten die Uferlinien von Peru und
von Californien auf unseren Karten heraus. Die westliche Erstreckung
des neuen Continentes weiter im Norden hing mit
der damals noch sehr lebhaft ventilirten Frage zusammen nach
der Festlandsverbindung zwischen Amerika und Asien, und
dem Probleme der nordwestlichen Durchfahrt. Bei der mächtigen
Erregung, welche in jener Zeit die Geister erfasst hatte,
darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn wir manchmal blosse
Vermuthungen, namentlich solche, die sehnsüchtig gehegten
Wünschen und Hoffnungen entsprachen, übereilt als feststehende
Thatsachen kartographisch fixirt sehen. Agnese ist
zwar etwas vorsichtiger, als viele andere gleichzeitige Kartenzeichner
•— namentlich die Deutschen leisteten auf diesem
Gebiete oft geradezu Unglaubliches, p. e. der bekannte Kosmograph
Johannes Schoner u. v. A.; — doch begegnen wir
auch in seinen Arbeiten mitunter sehr gewagten Behauptungen.
So lässt er auf seiner Weltkarte im Süden von Labrador und
Neu-Foundland, wofür er noch den alten durch die Fahrten der
Cabots aufgekommenen Namen ,Terra de Baccalaos' gebraucht,
den atlantischen und den grossen Ocean bis auf ganz kurze
Entfernung sich nähern, so dass nur ein schmaler Isthmus sie
trennt. In manchen Exemplaren des Atlas erscheint auch dieser
von einer schmalen Strasse durchbrochen, welche, ähnlich wie
im Süden die Enge des Magalhaes, die beiden Meere mit
einander verbindet, und ein hypothetischer Handelsweg führt
durch diese Regionen von Europa nach Quinsay in Asien. 1
mir gestattet, bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, dass
von dem genannten kostbaren Globus Mereator’s aus d. J. 1541 auch
die Bibliothek zu Weimar ein wohlerhaltenes Exemplar besitzt, das,
wie es scheint, bisher völlig unbeachtet geblieben ist. Ich habe dasselbe
im Sommer 1874 eingesehen, und einzelne Partien davon copirt. Nach
dem auf der k. Bibliothek in Brüssel befindlichen Originale wurde der
Globus Mereator’s neuerdings publicirt von J. Malou und J. van
ßoemdonck. Bruxelles, Maquardt 187G.
1 Vergl. hierüber die gründlichen Untersuchungen von J. G. Kohl: ,History
of the discovery of Maine 1 in den ,Collec.tions of the Maine Historical
Society 1 . Second Series. Portland 1869 p. 292 ff.