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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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W  i  e  s  e  r.

den  fleissig'sten  und  fruchtbarsten  Kartenzeichnern  seiner  Zeit.
Seine  Arbeiten,  von  denen  wohl  einige  Dutzend  auf  uns  gekommen ­
  sind,  fallen  in  das  zweite  Drittel  des  16.  Jahrhunderts.
Die  ältesten  derselben  sollen  bis  1527  hinaufreichen. 1  Die  zahlreichen ­
  uns  erhaltenen  Portulane  Agnese’s  stimmen,  wie  bereits
erwähnt,  nach  Inhalt  und  Form  so  vollständig  mit  einander
überein,  dass  wir  sie  als  verschiedene  Redactionen  eines  und
desselben  Werkes  betrachten  müssen.  Es  war  immer  der
nämliche  Atlas,  der,  wenn  wir  so  sagen  dürfen,  von  Zeit  zu
Zeit  in  mehr  oder  minder  verbesserter  Auflage  erschien.
Die  Karten  des  Agnese’schen  Atlas  sind  in  sehr  gewissenhafter ­
  Weise  nach  den  besten  italienischen  und  spanischen
Originalen  gezeichnet.  Spanische  Karten  liegen  selbstredend
namentlich  den  Darstellungen  der  neu  entdeckten  Landschaften
zu  Grunde.  Die  venetianische  Kartographenschule  besass  offenbar ­
  sehr  ausgedehnte  Verbindungen,  um  sich  fortwährend  neues
verlässliches  Kartenmaterial  zu  verschaffen.  Man  hatte  eben
in  Venedig  aus  naheliegenden  Gründen  ein  lebhaftes  Interesse,
mit  den  Fortschritten  der  transoceanischen  Entdeckungen  stets
in  Fühlung  zu  bleiben.  So  ist  auch  Agnese  sichtlich  bemüht,
seinen  Atlas  bezüglich  der  ,neuen  Welt' 2  immer  möglichst  auf
dem  Laufenden  zu  erhalten.  Spätere  Redactionen  mit  den

1  M.  Gius.  Canale  ,Storia  del  commercio,  dei  viaggi,  delle  scoperte  e
carte  nautiche  degT  Italianih  Genova  1866.  p.  473.  —  Vergl.  unten
p.  553.  n.  : 2.
2  Agnese  gebraucht  für  die  im  fernen  Westen  entdeckten  Länderräume
consequent  den  Ausdruck  ,Mundus  Novus‘,  und  zwar  nur  für  Süd-Amerika,
  den  verworrenen  Anschauungen  jener  Zeit  entsprechend,  welche
noch  immer  in  dem  verhängnissvollen  Irrthume  des  grossen  Genuesen
befangen  war.  In  Deutschland  war  damals  der  Gebrauch  des  Namens
,Amerika‘  schon  ziemlich  allgemein  verbreitet,  und  auch  anderwärts
wurde  derselbe  bereits  ab  und  zu  kartographisch  verwendet  (<rf.  u.  A.
E.  H.  Major  ,Memoir  on  a  mappemonde  by  Leonardo  da  Vinci  etc. 4  —
Archaeologia  Vol.  XL.  London  1865).  Doch  blieb  der  Name  auch  da
noch  lange  Zeit  ausschliesslich  auf  Südamerika  beschränkt.  Der  erste,
welcher  ihn  auf  den  ganzen  Continent  anwendete,  war  nicht,
wie  bisher  ganz  allgemein  angenommen  wurde,  Abr.  Ortelius,  sondern
Gerli.  Mercator.  Auf  seinem  überaus  interessanten,  dem  kaiserlichen
Kanzler  Nicolaus  v.  Granvella  gewidmeten  Globus  vom  J.  1541  lesen
wir  westlich  von  der  ,Baccalearum  Eegio 4  in  grossen  Buchstaben  AME,
und  westlich  von  der  Mündung  des  La  Plata-Stromes  RICA.  —  Es  sei
            
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