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W i e s e r.
den fleissig'sten und fruchtbarsten Kartenzeichnern seiner Zeit.
Seine Arbeiten, von denen wohl einige Dutzend auf uns gekommen
sind, fallen in das zweite Drittel des 16. Jahrhunderts.
Die ältesten derselben sollen bis 1527 hinaufreichen. 1 Die zahlreichen
uns erhaltenen Portulane Agnese’s stimmen, wie bereits
erwähnt, nach Inhalt und Form so vollständig mit einander
überein, dass wir sie als verschiedene Redactionen eines und
desselben Werkes betrachten müssen. Es war immer der
nämliche Atlas, der, wenn wir so sagen dürfen, von Zeit zu
Zeit in mehr oder minder verbesserter Auflage erschien.
Die Karten des Agnese’schen Atlas sind in sehr gewissenhafter
Weise nach den besten italienischen und spanischen
Originalen gezeichnet. Spanische Karten liegen selbstredend
namentlich den Darstellungen der neu entdeckten Landschaften
zu Grunde. Die venetianische Kartographenschule besass offenbar
sehr ausgedehnte Verbindungen, um sich fortwährend neues
verlässliches Kartenmaterial zu verschaffen. Man hatte eben
in Venedig aus naheliegenden Gründen ein lebhaftes Interesse,
mit den Fortschritten der transoceanischen Entdeckungen stets
in Fühlung zu bleiben. So ist auch Agnese sichtlich bemüht,
seinen Atlas bezüglich der ,neuen Welt' 2 immer möglichst auf
dem Laufenden zu erhalten. Spätere Redactionen mit den
1 M. Gius. Canale ,Storia del commercio, dei viaggi, delle scoperte e
carte nautiche degT Italianih Genova 1866. p. 473. — Vergl. unten
p. 553. n. : 2.
2 Agnese gebraucht für die im fernen Westen entdeckten Länderräume
consequent den Ausdruck ,Mundus Novus‘, und zwar nur für Süd-Amerika,
den verworrenen Anschauungen jener Zeit entsprechend, welche
noch immer in dem verhängnissvollen Irrthume des grossen Genuesen
befangen war. In Deutschland war damals der Gebrauch des Namens
,Amerika‘ schon ziemlich allgemein verbreitet, und auch anderwärts
wurde derselbe bereits ab und zu kartographisch verwendet (<rf. u. A.
E. H. Major ,Memoir on a mappemonde by Leonardo da Vinci etc. 4 —
Archaeologia Vol. XL. London 1865). Doch blieb der Name auch da
noch lange Zeit ausschliesslich auf Südamerika beschränkt. Der erste,
welcher ihn auf den ganzen Continent anwendete, war nicht,
wie bisher ganz allgemein angenommen wurde, Abr. Ortelius, sondern
Gerli. Mercator. Auf seinem überaus interessanten, dem kaiserlichen
Kanzler Nicolaus v. Granvella gewidmeten Globus vom J. 1541 lesen
wir westlich von der ,Baccalearum Eegio 4 in grossen Buchstaben AME,
und westlich von der Mündung des La Plata-Stromes RICA. — Es sei