Der Portulan des Infanten und nachmaligen Königs Philipp II. von Spanien. 545
Materiales nicht mit Sicherheit bestimmen. Jedenfalls gehört
derselbe zu den jüngeren Redactionen, da er bereits die Halbinsel
Californien und die südlichen Partien von Peru verzeichnet
enthält. Wir werden indessen kaum fehlgreifen, wenn
wir die Entstehungszeit des Atlas in das Jahr 1548 verlegen.
In diesem Jahre reiste nämlich Philipp über Italien nach
Deutschland, von wo er sich dann nach den Niederlanden
begab. 1 In Italien wurde der Infant von allen grösseren
Städten in der feierlichsten Weise empfangen, und durch
glänzende Huldigungen ausgezeichnet. 2 Und damals scheint
ihm auch von den .Venetianern der kostbare, mit künstlerischem
Geschmack ornamentirte Portulan überreicht worden zu sein.
Kaiser Karl V. hatte schon vor längerer Zeit Verbindungen
mit den venetianischen Kartenzeichnern angeknüpft. 3 Zu dieser
chronologischen Fixirung stimmt auch recht gut das Bild auf
dem ersten Blatte des Portulans. Der Infant ist hier als
schlanker, hochgewachsener Jüngling dargestellt, dem Gott
Vater mit feierlichem Ernste aus den Wolken herab einen
Globus überreicht. 1548 war Philipp eben 21 Jahre alt.
Ueber die Lebensschicksale des Giov. Battista Agnese
ist wenig bekannt. 4 Geboren zu Genua nahm er später seinen
dauernden Aufenthalt in Venedig. Er gehört ohne Frage zu
1 Cf. ii. A. W. Robertson ,Gesell, d. Regierung K. Karls V. etc*. III.
p. 2S0 f. und L. Ranke, Sämmtliche Werke, 2. Ausgabe. V. p. 83 f.
2 Interessant und charakterislfgcli ist liiefür die ziemlich seltene Flugschrift:
,Newe Zeytung. Wie der Durchleuchtigst Hochgeboren Fürst
vnnd Herr, Herr Philipp Printz von Hispanien etc., Römischer Kaiserlicher
Maiestat Sun, zu Mayland eingezogen. — Augspurg, durch Philipp
Vlliart 1548*. (E. Weller ,Die ersten deutschen Zeitungen*. Bibliothek
d. liter. Vereins in Stuttgart. Bd. CXI. [1872] p. 147 ff.) — Ein Exemplar
des Leipziger Nachdruckes von 1549 ist in meinem Besitze.
3 J. G. Kohl, 1. c. p. 44 f.
4 Der venetianische Kartograph darf nicht verwechselt werden mit seinem
spanischen Zeitgenossen gleichen Namens, dem gelehrten Theologen
Joannes Baptista Agnesius aus Valencia. Ich kenne von dem
letzteren eine ,Apologia in defensionem virorum illustrium equestrium
bonorumque civium Valentinorum* (wie es scheint nicht unwichtig für
die Gesell, des Aufstandes unter Juan de Padilla), und ,Apologia in
Venatores etc.* Valentine 1543. — Dann ,Duo epistolarum libelli*
Valentine 154(i. •— Cf. über ihn Joecher ,Gelohrten-Lexikon* I. p. 144.