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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  Portulan  des  Infiniten  und  nachmaligen  Königs  Philipp  IT.  von  Spanien.  543

Geburtsstätte  des  Portulans  mit  ziemlicher  Sicherheit  im  Gebiete
der  grossen  Handelsrepublik  vermutheil  dürfen,  am  wahrscheinlichsten ­
  natürlich  in  der  Lagunenstadt  selbst.
Der  eigentliche  Entstehungsort  ist  indess  im  Atlas  nirgends
angedeutet,  ebensowenig  als  der  Name  des  Verfassers.  Glücklicherweise ­
  erhalten  wir  von  anderer  Seite  auf  diese  Fragen  mit
dankenswerther  Bereitwilligkeit  völlig  befriedigende  Auskunft.
Es  befinden  sich  nämlich  auf  den  meisten  grösseren
Bibliotheken  Europas  handschriftliche  Atlanten,  welche  mit  dem
in  Rede  stehenden  —  abgesehen  von  der  kostbaren  Ausstattung,
und  einigen  meist  geringfügigen  sachlichen  Details  —  vollständig
identisch  sind.  Sieben  davon  kenne  ich  aus  eigener  Anschauung.
Diese  Atlanten  enthalten  nicht  nur  durchaus  die  nämlichen
Karten,  1  sondern  wir  beobachten  bei  sämmtlichen  genau  dieselben ­
  geographischen  Anschauungen,  die  gleiche  Art  der  Darstellung, ­
  dieselbe  Feinheit  und  Zierlichkeit  der  Zeichnung  und
Malerei,  und,  was  besonders  entscheidend  ist,  denselben  Charakter
der  Schrift.  Es  kann  gar  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  wir
es  mit  den  Arbeiten  einer  und  derselben  Hand  zu  thun  haben.
Viele  dieser  Portulane  sind  anonym;  bei  mehreren  dagegen
hat  sich  der  Verfasser  genannt,  und  mit  gewissenhafter  Genauigkeit ­
  nicht  blos  Ort  und  Jahr  der  Anfertigung  bemerkt,  sondern
auch  den  Tag,  an  welchem  er  seine  Arbeit  vollendet.  So  enthält
ein  Exemplar  auf  der  k.  Bibliothek  zu  Dresden 2  in  der  Handschrift ­
  des  Zeichners  die  Notiz:
,baptista  agnese  Januensis  fecit
venetijs  1544.  die  5  Februariju
Aelmlieh  ist  ein  Exemplar  zu  Gotha  datirt:
,baptista  agnese  fec.  venetijs.
1543  die  18.  Februarij 1 ;

palatalen  g  in  a  ist  nach  Fr.  Diez  ,das  wahre  Merkzeichen  des  venetianisclien
  Dialektes 1 .  (,Grammatik  der  romanischen  Sprachen 1  3.  Aufl.
I.  p.  S7.  —  Vergl.  auch  C4.  J.  Ascoli  ,Saggi  Ladini 1  im  Arcliivio
glottologicö  italiano 1  I.  p.  39  i  11‘.  und  448  il.).
1  Bios  die  Karte  des  ägäischen  Meeres  fehlt  in  einigen  liedactionen.
-  Sign.  F.  140".  Ein  anderes  auf  derselben  Bibliothek  befindliches  Exemplar
(Sign.  F.  140 b )  stammt  aus  dem  ,T.  1536.
            
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