492
HSflor.
Neun Tage lang wurden die Exequien fortgesetzt, während
bereits die Bauern aus der Campagna in die Stadt eilten, um
an Plünderung und Kampf Antheil zu nehmen. 1 Dann wurde
von allen Cardinälen die feierliche Einsegnung vorgenommen
und hiezu auch der Cardinal von Volterra zugelassen. Hierauf
fand die Beisetzung statt, zugleich aber auch der Streit zwischen
dem kaiserlichen und dem französischen Botschafter, da
der erstere behauptete, die Cardinäle sollten sogleich das Conclave
beziehen, der französische aber das Verlangen stellte, sie
sollten die Ankunft der französischen Cardinäle abwarten. Da
aber bereits zehn Tage seit dem Tode Adrians verflossen
waren, bezogen die Cardinäle am 1. October das Conclave,
in welchem am 18. November die Wahl des Cardinais von
Medici als Clemens VI. erfolgte. Es geschah, wie Kaiser
Karl V. damals wünschte, später auf das Schmerzlichste bedauerte.
Dass ein Papst, welcher zu den lustigen Zeiten seines
Vorgängers, zu der Ausgelassenheit des Lebens den Gegensatz
der Nüchternheit, der Strenge und Eingezogenheit des Lebens
hinzufügte, durch und durch Schulmann, Disciplin und Ordnung,
Sparsamkeit, Zucht und Ordnung einzuführen bemüht
war, dem Vor würfe ungemessener Pedanterie nicht entgehen
konnte; dass ein Papst, welcher im Gedränge eines osmanischeu
und eines italienischen Krieges, inmitten des Aufruhrs im
Kirchenstaates nicht blos alle Cassen leer fand, sondern auch
von seinem Vorgänger mit Schulden überlastet war, den pecuniären
Anforderungen, welche die Römer an die Päpste zu
stellen gewohnt waren, nicht zu entsprechen vermochte und
eben desshalb Allen ein Anstoss wurde, welche den römischen
Stuhl für sich auszubeuten gewohnt waren, lag in der Natur
der Dinge. Die Natur Adrians selbst war nicht darnach angelegt,
populär zu werden, sondern mit ängstlicher Vorsicht das Beste
aufzusuchen und darüber nur zu oft das erreichbare Gute
hintanzusetzen. Wenn Paulo Giovio versichert, der Tod habe
den Papst überrascht, ehe er drei Dinge ins Leben zu führen
1 Itin. c. 36.