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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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siegreiche  Vordringen  der  Franzosen  in  Oberitalien  fielen  auf
Einen  Tag  zusammen.
Rom  befand  sieb  in  den  Händen  der  Spanier.  Um  Unruhen ­
  vorzubeugen,  batte  Ferdinand  de  Silva,  Capitän  der  Leibwache, ­
  einige  Unterthanen  des  Herzogs  von  Camerino,  der
zur  französischen  Partei  gehörte,  im  Castell  festsetzen  lassen.
Spanier  umgaben  die  Leiche  Adrians,  als  sie  in  Pontificalgewändern
  in  den  zweiten  Hof  des  Palastes  gebracht  und  dort
vor  Allen  ausgestellt  wurde,  Don  Fernando  de  Silva,  Don  Bartolomeo
  Cueva,  Sohn  des  Herzogs  von  Albuquerque  und  später
Cardinal,  Don  Pietro  Pacieco,  Sohn  des  Don  Alfonso  Tellez,
Grafen  von  Puebla  de  Montalvan,  später  Cardinal,  Don  Roderigo
  Mendoza,  später  Bischof  von  Salamanca. 1  In  der  Nacht
wurde  die  Leiche  in  aller  Stille  in  die  Capelle  des  Palastes
gebracht  und  dort  bewacht,  endlich  am  15.  September  feierlich
nach  St.  Peter  gebracht,  dort  die  Messe  gelesen  und  nach  Beendigung ­
  der  Exequien  bis  Abends  in  der  Basilica  gelassen.
Man  beobachtete  eine  alte  Sitte,  der  zufolge  die  römischen
Matronen  an  diesem  Tage  sich  ohne  Erlaubniss  ihrer  Männer
und  ohne  Rücksicht  auf  jene  Tage,  welche  im  Ehecontracte
bestimmt  wurden,  dass  sie  an  ihnen  ausgehen  konnten,  nach
St.  Peter  begeben  durften,  den  Fuss  des  Papstes  zu  küssen.
In  der  Nacht  wurde  sodann  die  Leiche  in  die  Capelle  der
Domherren  von  St.  Peter  getragen;  als  sie  aber  bereits  so  aufgedunsen ­
  war, 2  dass  sie  an  Alexander  VI.  erinnerte,  der  an
Gift  gestorben  war,  so  wurde  von  dem  Capelldirector  laut  behauptet, ­
  Adrian  sei  an  Gift  gestorben.  Sogleich  entstand  ein'
heftiger  Streit,  da  die  Spanier  den  Niederländern  vorwarfen,
sie  hätten  nicht  die  gehörige  Sorgfalt  geübt,  Franzosen  statt
Spanier  in  die  Küche  zugelassen,  sie  seien  Schuld  am  Tode
des  Papstes,  eine  Vermuthung,  welche  durch  die  Vergiftung
Prosper  Colonna’s  noch  vermehrt  wurde  und  die  endlich  zur
Secirung  des  Cadavers  führte.

1  Das  Erste  was  die  Cardiniile  nach  dem  Tode  Adrians  beschlossen,  war
die  Freilassung  ihres  Colleg-en,  des  Cardinais  Soderini.  Lope  Hurtado
an  den  Kaiser.  Calend.  II.  p.  605.  606.  Man  befürchtete  ein  Schisma,
wenn  es  nicht  geschehe.
2  Cum  vivens  esset  aspeetu  pulcherrimus.  Itin.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXII.  Bd.  III.  Hft.  32
            
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