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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Höfler.

vergessen.  Wenn  es  den  Päpsten  so  leicht  würde,  Fürsten  zu
bannen,  so  brächte  das  schlimme  Folgen  und  grosse  Seelen
könnten  dies  nicht  gut  finden.  Die  Könige  von  Frankreich ­
  besässen  Privilegien,  welche  sie  mit  Blut  erworben
haben  und  die  ihre  Unterthanen  bis  zum  letzten  Blutstropfen
vertheidigen  würden.  Man  könne  nicht  Censuren  gegen  ihn
ohne  Beobachtung  der  gehörigen  Formen  verhängen;  Adrians
Vorgänger  hätten  dieses  immer  mit  grosser  Feierlichkeit  beobachtet. ­
  Papst  Bonifacius  habe  gegen  Philipp  den  Schönen
etwas  unternommen,  was  schlecht  ausfiel.  ,Ihr  werdet  nach
Eurer  Klugheit  daran  denkend  Ein  dreijähriger  Waffenstillstand ­
  binde  ihm  für  drei  Jahre  die  Hände,  und  wenn  die
Türken  Krieg  führen  würden,  der  Kaiser  den  Römerzug  unternehme, ­
  könne  er  ihm  nicht  Widerstand  leisten.  Was  Adrian
unternehme,  habe  wohl  den  Anschein,  gegen  die  Türken  gerichtet ­
  zu  sein,  sei  aber  in  Wahrheit  gegen  ihn,  den  König.
Sein  Trost  sei,  dass  die  Herzen  der  Fürsten  in  den  Händen
Gottes  liegen,  der  seine  Friedensliebe  kenne,  wie  er  bereit  sei,
den  Krieg  zur  Erhaltung  des  Glaubens  zu  führen.  Der  Papst
möge  nicht  tliun,  was  einem  guten  und  klugen  Hirten  nicht
zukomme,  nicht  statt  des  Friedens  noch  grössere  Verwirrung'
veranlassen.  Seitdem  sich  die  Nachricht  von  dom  allgemeinen
Waffenstillstand  zu  Wasser  und  zu  Lande  verbreitet,  machten
seine  Gegner  nur  noch  grössere  Anstrengungen,  diese  würden
aber  nichts  ausrichten.  Er  jedoch  sei  bereit,  ob  der  Türke
über  Ungarn  oder  Neapel  hereinbreche,  ihm  persönlich  Widerstand ­
  zu  leisten.  Der  Brief  schloss:  ,und  wenn  es  der  Wille
(plaisir)  Euer  Heiligkeit  ist,  uns  ähnliche  Bullen  zukommen
zu  lassen  als  unseren  Feinden,  um  Geld  zu  ziehen,  so  erfüllt
ihr  getreulich  (grandemment)  Eure  Pflicht*.  1
Der  Brief  bedurfte  keines  Commentars.  Der  Papst  war
unparteiisch,  wenn  er  dem  Franzosenkönig  Mailand  und  die
alte  Stellung  in  Italien  verschaffte;  parteiisch,  wenn  er  nicht
that,  was  König  Franz  wollte,  dessen  Bereitwilligkeit,  für  die
gemeinsame  Sache  ein  Opfer  zu  bringen,  doch  wohl  nur  m
seinen  Verbindungen  mit  all  denjenigen  zu  erblicken  war,  die

1  s.  d.  Es  scheint  dies  doch  wohl  derselbe  Brief  zu  sein,  von  dem  Bergenroth
  sagt:  Introd.  CLXXIV,  Adrian  habe  ihn  am  28.  März  1523  erhalten.
            
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