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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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Diener  auch  nur  einen  Ducaten  annehme,  so  würde  er  ihn  entlassen. ­
  1  Der  Botschafter  höhnte  ihn  in  seinem  Bericht  und
bedauerte  nur,  dass  Zisterer,  welcher  selbst  in  seiner  letzten
Krankheit  noch  bei  nächtlicher  Weile  sich  aus  dem  päpstlichen
Palaste  zu  dem  spanischen  Gesandten  begeben,  ihm  die  Geheimnisse ­
  seines  Herrn  zu  verrathen,  gestorben  sei.  Man  möge
ihm  heimlich  Geld  schicken  für  den  ersten  Kammerdiener  des
Papstes,  für  Francisco,  Theodorich  und  den  Beichtvater  Adrians.
Lope  Hurtado,  welcher  täglich  bei  dem  Papste  war  und  der
auch  das  Geschäft  der  Bestechung  schon  in  Spanien  eingeleitet
hatte,  übersandte  endlich  am  5.  Mai  die  ganze  Liste  des  päpstlichen ­
  Plaushaltes  (famiglia),  die  belohnt  werden  müsste,  der
cameriero,  der  credenciario,  der  majordomus,  der  cubicolario,
der  Beichtvater,  der  Barbier  und  Caplan,  ein  Pietro  di  Roma
und  ein  Jan  von  Antwerpen.  Die  spanische  Politik  war  so
aufmerksam,  auch  den  Geringsten  nicht  zu  übergehen.  Was  in
der  Umgebung  des  Papstes  bestochen  werden  konnte,  war  bestochen ­
  und  die  spanischen  Ducaten  nahmen  jetzt  ihre  Wanderung ­
  unmittelbar  in  den  vaticanischen  Palast.  Nur  Papst
Adrian  selbst  blieb  hievon  unberührt,  und  war  von  der  grossen
Liga  die  Rede,  so  jammerte  er,  er  könne  schon  deshalb  nicht
beitreten,  weil  er  absolut  kein  Geld  besitze.  Er  war  ja  Nachfolger ­
  Leo’s  X.!
So  sehr  jetzt  auch  der  Kaiser  in  den  Herzog  von  Sessa
und  den  Vicekönig  von  Neapel  drang,  in  Betreff  Adrians  das
Unmögliche  zu  leisten,  so  arbeitete  ihm  jedoch  Niemand  besser
in  die  Hände  als  König  Franz  selbst.  Noch  schien  der  Ernst
des  Papstes  auf  den  König  in  günstiger  Weise  einzuwirken.
Er  beschloss,  den  Bischof  von  Bayeux  und  den  maitre  des
requets,  des  Boches,  mit  Vollmachten  nach  Rom  zu  senden,
die  Instructionen  des  Cardinais  von  Auch  zu  erweitern,  einen
Frieden  oder  Waffenstillstand  abzuschliessen.  So  hiess  es.
Allein  der  Erzbischof  von  Bari  machte  Wolsey  aufmerksam,
dass  es  gar  nicht  in  der  Absicht  des  Königs  liege,  einen  längeren ­
  als  dreimonatlichen  Waffenstillstand  abzuschliessen
und  nur  diesen  durch  seine  Gesandten  verlängern  zu  lassen.
Er  wolle  nur  Jene  hiemit  täuschen  und  ebenso  auch  den  Papst,

1  11.  April  1523.
            
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