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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Hofier.

darbrachte,  während  eine  höchst  ernste  Disputation  im  öffentlichen ­
  Consistorium,  gerade  als  die  Gesandten  zur  Audienz
durch  die  päpstlichen  Gemächer  zogen,  sie  belehren  konnte,
was  eigentlich  im  gegenwärtigen  Momente  die  christliche  Welt
bewege.  Sie  galt  den  Doctrinen  Luthers,  deren  Für  und  Wider
von  den  Advocaten  der  Curie  erörtert  wurde.  Auf  den  feierlichen ­
  Empfang  folgte  erst  die  geheime  Audienz,  der  eine
Mahlzeit  bei  dem  Cardinal  Cornelio,  Neffen  des  Botschafters
Dandolo,  vorausging,  mit  65  Gängen,  jeder  zu  drei  Speisen,
alle  Tafelgeschirre  aus  Silber,  unter  steter  Begleitung  von
Musik  und  Gesang,  angemessen  dem  Zeitalter  und  der  Lieblingsneigung ­
  Leo’s  X.  In  der  Audienz  selbst  betrieb  Dandolo
die  Restitution  von  Ravenna  und  Cervia  und  der  Jurisdiction
über  das  adriatische  Meer,  welche  Julius  II.  aufgehoben  hatte.
Adrian  erklärte  jedoch,  mit  diesen  Verhältnissen  zu  wenig  vertraut ­
  zu  sein,  um  sogleich  darüber  entscheiden  zu  können.
Den  Venetianern,  obwohl  an  Kunst  und  Pracht  gewöhnt,  bot
Rom  unendlich  viel  Neues  und  Grossartiges  dar,  von  dem  Baue
der  St.  Peterskirche  an,  die  noch  der  Kuppel  entbehrte,  zu
den  übrigen  Kirchen,  endlich  die  grossartigen  Reste  des  Alterthums ­
  und  die  neuen  Paläste,  sprechende  Denkmäler  der  neueren ­
  Richtung  und  des  wunderbaren  Vereines  florentinischer
und  römischer  Künstler.  Die  Beschreibung  der  Venetianer
von  der  Pracht  und  der  Eleganz  der  Tafeln,  theilweise  im
Freien  gedeckt,  unter  Säulenhallen  und  in  Mitten  des  herrlichsten ­
  Griin’s,  durch  Springbrunnen  abgekühlt,  der  Massen  und
Schönheit  der  silbernen  Gefässe,  der  Kostbarkeit  des  Weines,
der  Auswahl  der  Speisen  —  ein  Fisch  kostete  dem  Cardinal
Grimani  bei  dem  Festessen,  das  er  den  Gesandten  gab,  18  Ducaten
  —  der  geschmackvollen  Pracht  der  Anzüge,  das  alles  aus
dem  Munde  derjenigen,  die  das  staunend  mit  ansahen,  und  beschrieben ­
  ,  klingt  wie  ein  occidentales  Märchen.  Dagegen
verschwindet  der  Norden  mit  seinen  Biergelagen,  seinen  dogmatischen ­
  Zänkereien,  den  unfläthigen  Schimpfreden  und  Tischgesprächen, ­
  in  die  jener  Christus  eingewickelt  wurde,  den  Luther
jetzt  als  den  einzig  wahren  der  deutschen  Nation  bot, 1  während
1  Vergl.  Luthers  Tischgespräche.  Wie  man  in  Deutschland  als  nächste
Frucht  der  Glaubensspaltung  den  Untergang  des  Reiches  und  zugleich
aller  Wissenschaften  befürchtete,  mag  man  bei  Döllinger  ersehen.
            
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