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Hofier.
darbrachte, während eine höchst ernste Disputation im öffentlichen
Consistorium, gerade als die Gesandten zur Audienz
durch die päpstlichen Gemächer zogen, sie belehren konnte,
was eigentlich im gegenwärtigen Momente die christliche Welt
bewege. Sie galt den Doctrinen Luthers, deren Für und Wider
von den Advocaten der Curie erörtert wurde. Auf den feierlichen
Empfang folgte erst die geheime Audienz, der eine
Mahlzeit bei dem Cardinal Cornelio, Neffen des Botschafters
Dandolo, vorausging, mit 65 Gängen, jeder zu drei Speisen,
alle Tafelgeschirre aus Silber, unter steter Begleitung von
Musik und Gesang, angemessen dem Zeitalter und der Lieblingsneigung
Leo’s X. In der Audienz selbst betrieb Dandolo
die Restitution von Ravenna und Cervia und der Jurisdiction
über das adriatische Meer, welche Julius II. aufgehoben hatte.
Adrian erklärte jedoch, mit diesen Verhältnissen zu wenig vertraut
zu sein, um sogleich darüber entscheiden zu können.
Den Venetianern, obwohl an Kunst und Pracht gewöhnt, bot
Rom unendlich viel Neues und Grossartiges dar, von dem Baue
der St. Peterskirche an, die noch der Kuppel entbehrte, zu
den übrigen Kirchen, endlich die grossartigen Reste des Alterthums
und die neuen Paläste, sprechende Denkmäler der neueren
Richtung und des wunderbaren Vereines florentinischer
und römischer Künstler. Die Beschreibung der Venetianer
von der Pracht und der Eleganz der Tafeln, theilweise im
Freien gedeckt, unter Säulenhallen und in Mitten des herrlichsten
Griin’s, durch Springbrunnen abgekühlt, der Massen und
Schönheit der silbernen Gefässe, der Kostbarkeit des Weines,
der Auswahl der Speisen — ein Fisch kostete dem Cardinal
Grimani bei dem Festessen, das er den Gesandten gab, 18 Ducaten
— der geschmackvollen Pracht der Anzüge, das alles aus
dem Munde derjenigen, die das staunend mit ansahen, und beschrieben
, klingt wie ein occidentales Märchen. Dagegen
verschwindet der Norden mit seinen Biergelagen, seinen dogmatischen
Zänkereien, den unfläthigen Schimpfreden und Tischgesprächen,
in die jener Christus eingewickelt wurde, den Luther
jetzt als den einzig wahren der deutschen Nation bot, 1 während
1 Vergl. Luthers Tischgespräche. Wie man in Deutschland als nächste
Frucht der Glaubensspaltung den Untergang des Reiches und zugleich
aller Wissenschaften befürchtete, mag man bei Döllinger ersehen.