Der deutsche Kaiser und. der letzte deutsche Papst.
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thums und der hohen Bildung Venedigs, dazu auserwählt
worden. Die Gesandten waren aber, als sich die grosse
Seuche 1 aixch über den Norden ausdehnte, bereits in Bologna
umgekehrt und erst am 23. März 2 1523 zogen sie über Pesaro,
Loretto und Spoleto nach Rom, wo der Papst selbst ausnahmsweise
von der Engelsburg den pi’achtvollen Einritt der Gesandten
ansah. Die Monotonie der päpstlichen Hofhaltung,
die klöstei'liche Stille und Einsamkeit war plötzlich unterbrochen
und man konnte sich für einige Wochen in die glänzenden
Feste Leo’s X. zurückversetzt glauben. Während von
Valladolid die Rechtfertigungsschrift des Kaisers ausging, erfolgte
in Rom am 20. April 1523 die feierliche Auffahrt der
Gesandten, ihr Empfang im Vatican und die ganze Entfaltungvenetianisclier
Pracht und Heri’lichkeit. 3 Adrian hatte sich den
Abend voi’her die Rede geben lassen, welche Marco Foscai-i
als Sprecher der Gesandten an ihn richten wollte, um sie selbst
ausführlich und zum grossen Lobe Venedigs zu beantworten.
Er that dies in gewähltem Latein; nur die Aussprache, welche
die italienischen Laute verschmähte, klang fremdartig (barbai-a).
Der Bei’icht der venetianischen Botschafter erwähnt, dass die
päpstlichen Gemächer in einer Schönheit prangten, wie sie nur
auf der welthistorischen Höhe der Kunst erreicht werden
konnte, die Wände waren mit den berühmten Teppichen bekleidet,
welche den burgundischen nichts nachgaben, eher sie
übertrafen. Die zahlreichen Mitren aus Goldfäden und mit
Edelsteinen geschmückt, bewiesen die Höhe des Kunstgewerbes.
Die Wappen des prachtliebenden Pauls II., eines Venetianers,
und Leo’s X., übei-all angebracht, ei’innerten, wie lange in
ununterbrochener Folge der Kirnst eine Stätte in Rom bereitet
war. Die Rede Adrians begann mit einem Satze Plato’s, dass
die Macht in der Weisheit bestehe; sie entrichtete damit dem
humanistischen Zeitalter einen Tribut, den das Oberhaupt der
katholischen Christenheit dem Alterthume und seinen Ideen
1 Noch Ende October fielen der Seuche in Rom täglich 150 Personen zum
Opfer. Calend. II. p. 500.
2 Sommario del viaggio degli oratori Veneti che andarono a Roma a dar
l’obbedienza a P. Adriano VI. Alberi Relaz. Serie II. vol. 3.
3 Sommario del viaggio degli oratori Veneti che andarono a Roma a dar
Tobbedienza a P. Adriano VI. von Luigi Gradeuigo. Dazu M. Sanuto.