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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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Rücken  mit  Adrian  in  geheimen  Beziehungen,  nicht  entgegenzustellen;
  er  solle  den  vierten  Theil  aller  geistlichen  Einkünfte
sowie  die  Cruzada  nach  dem  Vertrage  mit  Papst  Leo  X.,  der
übrigens  des  letzteren  Nachfolger  nicht  band,  verlangen.  Halte
Adrian  die  Bedingungen  des  Vertrages  nicht,  so  sei  auch  Kaiser
Karl  nicht  gebunden,  die  dem  römischen  Stuhle  vortheilhaften
Bedingungen  des  Vertrages  zu  erfüllen.
Wir  besitzen  einen  Brief  Adrians  an  Kaiser  Karl  vom
3.  Februar. 1  Er  erklärte  auf  das  Bestimmteste,  er  könne,  so
lange  Rhodus  in  Gefahr  sei,  es  nicht  auf  sich  nehmen,  der
Liga  beizutreten,  indem  er  sonst  bei  allen  christlichen  Fürsten,
die  er  zu  einer  grossen  Versöhnung  zu  bringen  hoffe,  Verdacht
errege.  Die  alte  Zuneigung  zu  Kaiser  Karl  war  wieder  mit
voller  Lebhaftigkeit  zurückgekehrt,  so  dass  er  selbst  hinzufügte, ­
  er  sei  bereit,  Leben  und  Gut  für  den  Kaiser  daranzusetzen. ­

Auch  dieser  hatte  noch  keine  Nachricht  von  dem  Untergänge ­
  von  Rhodus,  als  er  am  15.  Februar 2  im  grössten  Geheim
dem  Hei’zoge  von  Sessa  Vollmachten  übersandte,  mit  dem
Papste  wegen  eines  Friedens  oder  eines  Waffenstillstandes  zu
unterhandeln,  jedoch  sollte  Niemand  etwas  davon  erfahren,
weder  der  englische  noch  der  französische  Gesandte.
Es  war  eine  Wendung  in  der  englisch-spanischen  Allianz
bemerkbar.  Die  kaiserlichen  Botschafter  in  Rom  wie  in  Venedig
drangen  fortwährend  auf  Entscheidung.  Nach  Girolamo  Adorno
sollte  der  Krieg  in  der  Normandie,  in  der  Provence  und  Italien ­
  zugleich  ausbrechen.  Allein  die  Venetianer  befanden  sich
in  einer  seltsamen  Lage,  welche  einer  Sackgasse  ziemlich  ähnlich ­
  war.  Ihre  Verbindung  mit  Frankreich  hatte  sie  zu  Feinden
Kaiser  Karls  gemacht,  den  sie  als  Habsburger  wie  als  Spanier
bassten,  seit  dem  Tage  von  Bicocca  fürchteten,  aber  doch
wieder  nicht  in  dem  Grade,  dass  sie  wegen  eines  Sieges  über
die  Franzosen  sich  an  ihn  anschliessen  wollten.  Umgekehrt
verachteten  die  Spanier  die  Krämerpolitik  der  Venetianer  und
machten  daraus  auch  kein  Hehl.  Allein  ehe  Venedig  nicht  von
dem  Könige  Franz  getrennt  war,  konnten  die  Spanier  sich
’  Bergeuk.  II.  525.
2  Lettres  p.  VIII.  Calond.  II.  p.  530.
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