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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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Er  gab  dem  Papste  zu  verstehen,  dass  der  kaiserliche
Unterhändler  den  Auftrag  habe,  sich  in  Betreff  des  Herzogs
von  Ferrara  mit  dem  Papste  im  Einverständniss  zu  erhalten:
wenn  aber  letzterer  einseitig-  vorgehe,  dann  auch  er  selbst  dafür
sorgen  müsse,  dass  dem  Reiche  kein  Nachtheil  daraus  erwachse.
Der  Herzog  von  Sessa  habe  den  Auftrag,  ihm  die  Urkunden
vorzulegen,  welche  die  Rechte  des  Reiches  auf  Modena  und
Reggio  bewiesen.  In  dem  Schreiben  vom  8.  Februar  spricht
sich  Kaiser  Karl  noch  klarer  aus.  Während  er  dem  Papste
dankt,  dass  er  ihm  wie  ein  Vater  schrieb  und  ihn  bittet,  darin
fortzufahren,  rechtfertigt  er  sein  und  König  Heinrichs  Benehmen. ­
  König  Franz  zeige  nur  Worte,  er  rechne  auf  Adrians  Unentschiedenheit, ­
  um  den  Krieg  in  Italien  neu  anzufachen.  Da
bleibe  beiden  Fürsten  nichts  anderes  übrig  als  die  unannehmbaren ­
  französischen  Vorschläge  zurückzuweisen.  Nochmal  nahm
Karl  den  Don  Manuel  in  Schutz;  die  zur  Bezahlung  der  schweizerischen ­
  Anforderungen  verlangte  Geldunterstützung  lehnte  er
ab,  erklärte  sich  aber  bereit  zu  den  persönlichen  Gunstbezeugungen, ­
  um  welche  ihn  Adrian  für  Don  Hernando  de  Silva
und  den  Erzbischof  von  Bari  ersucht  hatte.  In  dem  späteren
Briefe,  als  die  Gefahr  eines  Einbruches  der  Franzosen  in  Italien ­
  näher  rückt,  erbittet  sich  Karl  den  Beistand  geistlicher
Waffen  von  Seiten  des  Papstes  und  empfiehlt  ihm,  Parma  und
Piacenza  durch  den  Marchese  von  Mantua 1  einnehmen  zu
lassen.
Die  eigentlichen  Unterhandlungen  zwischen  den  beiden
fürstlichen  Personen  mit  Adrian  gingen  nicht  auf  brieflichem
Wege,  sondern  durch  den  Herzog  von  Sessa,  welcher  es  besser
verstand  als  Don  Manuel,  auf  das  Gemüth  des  Papstes  einzuwirken ­
  und  den  besonderen  Auftrag  erhielt,  mit  Sanftmuth
vorzugehen.  Das  Endziel  der  kaiserlichen  und  spanischen
Politik  war,  den  Papst  aus  seiner  Neutralität,  welche  nur  den

1  Die  Befriedigung  der  Ansprüche,  welche  der  letztere  in  Kraft  eines  Vertrages ­
  mit  Papst  Leo  X.  als  Generalcapitiin  der  Kirche  erlangt  hat,
bilden  noch  den  Inhalt  des  Schreibens  Karls  V.  an  Adrian  vom  8.  Mai
1532.  —  Der  letzte  Brief  Karls  V.,  Antwort  auf  Adrians  Verwendung
für  den  Herzog  von  Sessa  (por  el  velus  aureo  para  el  duque  de  Sessa)
ist  während  der  Krankheit  Adrians  geschrieben,  25.  August  1523,  die
9ehr  bald  einen  tödtlichen  Ausgang  nahm.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXII.  Bd.  III.  Hft.  29
            
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