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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.  439
brachten,  eine  Commission  zu  ernennen,  mit  welcher  wegen
des  Friedens  unterhandelt  werden  sollte,  so  erklärten  die  Commissäre,
  es  müsse  als  Grundlage  aller  Unterhandlungen  die
Zurückgabe  aller  Ortschaften  an  die  Republik  angenommen
werden,  die  diese  im  letzten  Kriege  verloren  hatte.  1  Das  hiess
nicht  mehr  unterhandeln,  sondern  capituliren.
So  hatte  aller  Anstrengungen  des  kaiserlichen  Cabinetes
ungeachtet  und  trotz  aller  Bestechungsversuche  des  Herzogs
von  Sessa  auf  die  Umgebung  des  Papstes  die  grosse  Liga  bis
zum  Ende  des  Jahres  so  viel  wie  keine  Fortschritte  gemacht;
es  war  aber  auch  kein  eigentliches  Missverhältniss  zwischen
Adrian  und  den  christlichen  Fürsten  eingetreten.  Als  der
Weihnachtstag  1522  gekommen  war,  weihte  der  Papst  in  der
S.  Sixtuscapelle  ein  für  Kaiser  Karl  bestimmtes  Schwert.
Plötzlich  vernahm  man  ein  gewaltiges  Getöse.  Ein  Stein  von
zwei  Öentnern  Schwere  löste  sich  von  der  Decke  und  zermalmte ­
  einen  Schweizer  von  der  päpstlichen  Wache  in  unmittelbarer ­
  Nähe  des  Papstes. 2
Man  hatte  keine  Ahnung,  dass,  während  man  sich  in  den
christlichen  Kirchen  des  Festes  der  Geburt  Jesu  Christo  erfreute, ­
  gerade  an  diesem  Tage  Rhodus  aufhörte,  eine  christliche ­
  Stadt  zu  sein,  durch  Capitulation  in  die  Hände  Solimans
gefallen  war.  Erst  gegen  Ende  Februar  1523  drang  die  Trauerkunde ­
  nach  Rom  wie  in  das  Abendland.
Die  Denkschrift  Gattinara’s  hatte  sich  mit  dem  Schreiben
des  Papstes  an  Kaiser  Karl  vom  10.  December  gekreuzt. 3
Adrian  hatte  sich  überzeugt,  dass  König  Heinrich  weder  einen
Frieden  noch  einen  Waffenstillstand  mit  König  Franz  eingehen
wolle,  dadurch  alle  Friedensbemühungen  fruchtlos  seien.  Der
Papst  schrieb  spanisch  und  gebrauchte  die  ganze  castillianische
Freiheit,  um  seinem  gerechten  Unmuthe  Luft  zu  machen.  Er
ging  so  weit,  zu  sagen,  dass,  wenn  die  Fürsten  den  Osmanen
ein  grosses  Heer  zu  Hilfe  führen  würden,  die  Folgen  nicht
schlimmer  sein  könnten,  als  sie  aus  ihren  steten  Zwistigkeiten
1  Calendar  II.  n.  576.
2  Brewer  n.  2776.  Casco  l’architrave  della  porta  grande  della  capella.di
Sisto  e  ammazö  uno  Suizzero  uon  troppo  discosto  dal  Papa.  Negro  a
M.  Marcantonio  Michele.  29.  Dec.  1522.
3  Gachard  p.  XLVII.
            
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