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Der deutsche Kaiser und der letzte deutsche Papst. 439
brachten, eine Commission zu ernennen, mit welcher wegen
des Friedens unterhandelt werden sollte, so erklärten die Commissäre,
es müsse als Grundlage aller Unterhandlungen die
Zurückgabe aller Ortschaften an die Republik angenommen
werden, die diese im letzten Kriege verloren hatte. 1 Das hiess
nicht mehr unterhandeln, sondern capituliren.
So hatte aller Anstrengungen des kaiserlichen Cabinetes
ungeachtet und trotz aller Bestechungsversuche des Herzogs
von Sessa auf die Umgebung des Papstes die grosse Liga bis
zum Ende des Jahres so viel wie keine Fortschritte gemacht;
es war aber auch kein eigentliches Missverhältniss zwischen
Adrian und den christlichen Fürsten eingetreten. Als der
Weihnachtstag 1522 gekommen war, weihte der Papst in der
S. Sixtuscapelle ein für Kaiser Karl bestimmtes Schwert.
Plötzlich vernahm man ein gewaltiges Getöse. Ein Stein von
zwei Öentnern Schwere löste sich von der Decke und zermalmte
einen Schweizer von der päpstlichen Wache in unmittelbarer
Nähe des Papstes. 2
Man hatte keine Ahnung, dass, während man sich in den
christlichen Kirchen des Festes der Geburt Jesu Christo erfreute,
gerade an diesem Tage Rhodus aufhörte, eine christliche
Stadt zu sein, durch Capitulation in die Hände Solimans
gefallen war. Erst gegen Ende Februar 1523 drang die Trauerkunde
nach Rom wie in das Abendland.
Die Denkschrift Gattinara’s hatte sich mit dem Schreiben
des Papstes an Kaiser Karl vom 10. December gekreuzt. 3
Adrian hatte sich überzeugt, dass König Heinrich weder einen
Frieden noch einen Waffenstillstand mit König Franz eingehen
wolle, dadurch alle Friedensbemühungen fruchtlos seien. Der
Papst schrieb spanisch und gebrauchte die ganze castillianische
Freiheit, um seinem gerechten Unmuthe Luft zu machen. Er
ging so weit, zu sagen, dass, wenn die Fürsten den Osmanen
ein grosses Heer zu Hilfe führen würden, die Folgen nicht
schlimmer sein könnten, als sie aus ihren steten Zwistigkeiten
1 Calendar II. n. 576.
2 Brewer n. 2776. Casco l’architrave della porta grande della capella.di
Sisto e ammazö uno Suizzero uon troppo discosto dal Papa. Negro a
M. Marcantonio Michele. 29. Dec. 1522.
3 Gachard p. XLVII.