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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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der  erste,  welcher  ihm  Kargheit  vorwarf.  Zürnte  Adrian  über
Karls  Politik,  welcher  die  Lehen  des  Kirchenstaates  für  sich
in  Anspruch  nahm,  so  wurde  das  in  der  gehässigsten  Weise
nach  Spanien  berichtet.  Endlich  eröffnete  der  englische  Gesandte
in  Rom,  December  1522,  dem  Papste,  dass  König  Heinrich
im  März  1523  ,einen  höchst  grausamen  Krieg  in  der  Picardie
beginnen  wolieh  Wohin  Adrian  blickte,  sah  er  nur  Krieg,  und
sich  selbst  fortwährend  gedrängt  an  dem  Theil  zu  nehmen,
was  er  am  meisten  verabscheute.
Am  18.  December  1522  fertigte  der  Grosskanzler  Gattinara ­
  eine  neue  Denkschrift  an  den  Papst. 1  Er  pflichtete  der
Ansicht  Adrians  bei,  dass  ein  allgemeiner  Friede  walten  und
die  christlichen  Fürsten  ihre  Waffen  gegen  die  Osmanen  kehren
sollten.  Die  Schuld  aber,  warum  dieses  nicht  geschehe,  trügen
die  Franzosen  allein,  welche  die  eigentlichen  Ruhestörer  seien
und  deren  Treulosigkeit  bestraft  werden  müsse.  Genug  habe
diese  das  burgundische  Haus  erfahren,  da  es,  so  oft  es  nicht
vorbereitet  gewesen,  angegriffen  worden  sei.  Franz  habe  in
Calais  die  ehrenvollsten  Friedensbedingungen  zurückgewiesen,
da  der  Kaiser  ‘damals  nicht  gerüstet  war.  Freilich,  wenn  der
französische  König  seine  Schwäche  fühle,  wie  jetzt,  wo  Papst
und  Kaiser  nur  Eine  Seele  in  zwei  Leibern  bildeten  und  der
König  von  England  sie  unterstütze,  dann  denke  er  an  Frieden
und  biete  Bedingungen  an,  welche  Kaiser  Karl  nicht  annehmen
könne.  In  der  Verzweiflung  hierüber  suche  dann  König  Franz
durch  seine  Mutter  auf  den  Papst  einzuwirken,  dass  dieser
allgemeinen  Frieden  predige  und  selbst  neutral  bleibe.  König
Franz  wolle  damit  nur  Zeit  gewinnen  und  nütze  so  des  Papstes
Friedensliebe  und  Arglosigkeit  für  sich  aus.  Neutralität  von
Seiten  des  Papstes  sei  aber  identisch  mit  Zurückweisung  der
kaiserlichen  Forderungen,  mit  Störung  des  guten  Verhältnisses
zwischen  Papst  und  Kaiser,  mit  Preisgebung  der  Freiheit  Italiens, ­
  mit  Minderung  des  kaiserlichen  Ansehens  und  Ermuthigung
  der  Feinde  des  Kaisers.  Der  König  von  Frankreich
werde  dann  Mailand  nicht  herausgeben,  eine  Armee  aufstellen,
den  Kaiser  zwingen,  dasselbe  zu  tliun,  und  wenn  der  Sultan
das  bemerken  werde,  werde  er,  unbekümmert  um  Rhodus,
            
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