Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

433

gerathen,  so  hatte  er  nur  ausgesprochen,  was  dem  Papst  als
solchem  zukam.  Carvajal  stellte  aber  dieses  in  Abrede;  er
erklärte,  dass  er  nichts  so  sehr  wünsche,  als  die  Vergrösserung
der  Macht  Karls,  die  Demüthigung  Frankreichs.  Nicht  früher
werde  ein  allgemeiner  Krieg  gegen  die  Türken  und  der  Frieden
in  der  Christenheit  möglich,  als  bis  das  französische  Königthum ­
  an  Kaiser  Karl  und  König  Heinrich  Alles  herausgegeben,
was  es  Beiden  gestohlen  habe.  Doch  gab  Carvajal  zu,  dass
vielleicht  einige  seiner  Diener  so  gesprochen  haben  konnten;
er  habe  sie  jedoch  bereits  entlassen.  1  ,Der  Kaiser  wusste,  dass
Adrian  von  den  Käthen  des  Kaisers  eine  möglichst  schlechte
Meinung  habe;  er  war  in  Spanien  immer  im  Kampf  mit  ihnen
gewesen.  Adrian  hatte  nie  noch  ein  Hehl  daraus  gemacht,
dass  er  Don  Manuel  für  seinen  persönlichen  Gegner  halte.
Auch  Manuel  kannte  diese  Stimmung  Adrians.  Nichtsdestoweniger ­
  schrieb  er  am  8.  October  dem  Kaiser, 2  er  habe  trotz
der  in  Rom  herrschenden  Pest  oft  mit  dem  Papste  über  dessen
Privatangelegenheiten  gesprochen  und  es  scheine  ihm,  dass
Adrian  grosse  Stücke  auf  ihn  halte.  Adrian  habe  ihm  für  seine
Rathschläge  gedankt.  Allein  er  sei  so  schwach  und  unentschlossen, ­
  dass  er,  was  er  ihm  gerathen,  nicht  thun  werde.  In
den  italienischen  Angelegenheiten  sei  er  vollständiger  Ignorant,
sowie  in  dem,  was  sonst  in  der  Welt  vor  sich  gehe.  Seine
Schwäche  und  Halbheit  würden  nicht  zugeben,  etwas  für  den
Kaiser  zu  thun.  Weder  Karl,  noch  der  König  von  England
könnten  auf  ihn  rechnen.  Schon  in  Spanien  habe  Adrian  sich
in  geheime  Unterhandlungen  mit  dem  Könige  von  Frankreich
eingelassen.  Er  selbst  könne  es  nicht  über  sich  gewinnen,  so
einem  Papste  (für  Neapel)  Obedienz  zu  leisten;  das  könnten  der
Vicekönig  von  Neapel  und  der  Pierzog  von  Sessa  thun.  Enkenvoert
  sei  in  Betreff  seines  Wissens  wie  seines  Charakters  eine
armselige  Persönlichkeit;  diesem  vertraue  der  Papst.  Der  Botschafter, ­
  unendlich  übel  gelaunt,  dass  Adrian  seine  Rathschläge
nicht  angenommen,  führt  schliesslich  an,  der  Zelter  für  Neapel
sei,  sowie  der  Lehenszins  übergeben  worden,  der  Papst  habe
darüber  eine  kindische  Freude  gehabt  und  den  Kaiser  hoch
1  Bergenrotli  II.  p.  480.
2  Bergenrotli  II.  ji.  483.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.