432
H 5 f 1 e r.
Rhoclus zu retten, jedenfalls aber den Papst mit dem Könige
von Frankreich auf das Bitterste verfeindete, sollte Adrian sich
zum Werkzeuge der spanischen Politik machen, den König zum
Herrn der spanischen Kirche erheben, diese, so reformbedürftig
sie war, den Zwecken der Krone unterthänig machen. Papst
Leo X. war aus Besorgniss, von der französischen Politik zum
Caplan des Königs Franz verurtheilt zu werden, zum Kampfe
mit letzterem gedrängt worden. Papst Adrian durch Neigung,
Gewohnheit und Dankbarkeit, durch seine ganze Vergangenheit
an Kaiser Karl gekettet, befand sich in einer noch viel
schlimmeren Lage dem Könige von Spanien gegenüber, da er
persönlich bereit war, so weit nachzugeben, als es nur immer
möglich war, aber alles dieses nicht für hinreichend angesehen
wurde; er sollte auch als Papst nur wie ein Spanier fühlen,
das spanische Interesse zum seinigen machen. Deutsche Schriftsteller
fassen die Lage des letzten deutschen Papstes nur nach
seinem Verhalten zur deutschen Glaubensspaltung auf. Seine
Stellung zur spanischen Weltmacht und ihrem 22jährigen Träger
war mindestens ebenso schwierig, wo nicht schwieriger. Sie
berührte ihn selbst persönlich noch mehr, brachte ihn in Zerwürfnisse
mit sich, mit seinem Gewissen, mit seinem Pflichtgefühle.
Er befand sich zwischen dem deutschen Reiche, das
einem empörten Ocean glich, welcher fortwährend von den
heftigsten Stürmen gepeitscht wurde, und der eisigkalten Politik
des spanischen Hofes, der langsam aber sicher, Schritt für
Schritt voranging', dem Papste Boden zu entreissen, in unheimlicher,
ganz und gar unhaltbarer Mitte, in einer Lage, die keinen
Ausweg gestattete.
Es war nicht geradezu Unwahrheit, wenn in Karls Umgebung
die Ansicht herrschte, dass die Zögerung Adrians den
Abschluss eines Bundes zwischen ihm (Karl), Heinrich VIIIund
Venedig nicht förderlich sei. Der Cardinal von Sa. Croce,
Bernardino de Carvajal, welcher als wahrer Diener des Königs
von Spanien angesehen wurde und an Adrians Wahl grossen
Antheil genommen, sah sich genöthigt, einen eigenen Entschuldigungsbrief
zu schreiben, als er in Erfahrung brachte, Adrian
habe dem Kaiser mitgetheilt, dass selbst Carvajal ihm zur
Neutralität gerathen habe, sowie dass er sich nicht mit der
Politik Kaisers Karl identificiren möge. Hatte Carvajal dieses