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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Höfler.

Der  darauffolgende  Brief  vom  22.  November 1  bringt  neue
Klagen,  da  Girolamo  Adorno  im  Namen  des  Kaisers  mit  dem
Herzoge  von  Ferrara  wegen  Modena  und  Reggio  unterhandeln
sollte  und  Don  Manuel  dem  kaiserlichen  Heere  geboten  hatte,
die  Ländereien  des  Kirchenstaates  zu  bedrücken  (agravrarse).
Es  klingt  aber  nach  unseren  Verhältnissen  geradezu  unerhört, ­
  wenn  Kaiser  Karl  am  17.  December  1522  von  dem
Papste  schrieb 2 ,  er  habe  seit  dessen  Brief  aus  Genua  vom
19.  August  kein  Schreiben  von  ihm  erhalten,  er  wisse  nichts
von  seinen  Botschaften,  und  nur  durch  Privatbriefe  habe  er
erfahren,  dass  der  Papst  glücklich  in  Rom  angekommen,  gekrönt ­
  sei  und  dass  dort  ein  so  schlechter  Gesundheitszustand
herrsche.  Alle  Klagen  des  Papstes  waren  vergeblich,  wenn  sie
nicht  zur  rechten  Zeit  zu  Kaiser  Karl  drangen!
Der  Vorwurf  des  Papstes  über  die  Thatenlosigkeit  des
Kaisers  bezog  sich  wohl  zunächst  auf  den  Umstand,  dass  er
im  äussersten  Westen  weilte,  während  die  Osmanengefahr
immer  näher  rückte.  Wir  wissen,  dass  Karl  am  25.  August
1522  an  den  Herrn  Charles  de  Poupet  (Herrn  de  la  Chaux)
ein  weitläufiges  Schreiben  erliess,  das  wenigstens  beweist,  dass
er  die  drohende  Gefahr  wohl  erkannte.  Da  Ungarn  schon  geschwächt, ­
  ja  beinahe  schon  vernichtet  wäre,  so  sei,  wenn  es
den  Türken  gelänge,  die  beiden  Bollwerke  der  Christenheit
gegen  ihn  (Belgrad  und  Rhodus)  zu  erobern,  das  Thor  geöffnet,
Schlüssel  und  Weg  ihnen  gegeben  sowohl  nach  Neapel  undSicilien
als  in  den  Kirchenstaat  zu  dringen,  und  wenn  diese  überzogen
würden,  ganz  Italien  zu  erobern,  zuletzt  die  ganze  Christenheit
zu  vernichten.  Selbst  wenn  der  Türke  unverrichteter  Dinge
von  Rhodus  abzöge,  sei  die  Christenheit  vor  diesem  gewaltigen
Feinde  nicht  sicher,  da  ihm  dieselbe  durch  ihre  eigene  Schwächung ­
  mittelst  der  eigenen  Waffen  die  Hilfe  leiste,  welche  zu
seiner  Abwehr  dienen  sollte.  Und  das  Schlimmste  sei,  so
müsse  man  auch  glauben,  dass  die  Unternehmungen  der  Osmanen
  eine  Folge  der  Aufreizungen  derjenigen  seien,  von
welchen  alle  Uebel  herstammten  und  die  die  ganze  Christenheit

1  Gach.  p.  XLVI.  Calend.  II.  505.
2  Calend.  II.  p.  508.
            
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