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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Der  deutsche  Kaiser  und  der  letzte  deutsche  Papst.

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erst  nach  dem  anderen,  Rhodus,  sich  zuzuwenden  und  nachdem
er  Flotte  und  Heer  abgesandt,  die  wichtige  Insel  den  Johannitern ­
  abzunehmen,  am  25.  August  1522  selbst  in  das  Lager
kam,  die  Belagerung  der  Stadt  mit  dem  äussersten  Nachdrucke
zu  betreiben.  Zwei  Tage  später  landete  Papst  Adrian  mit
achtzehn  Galeeren  bei  Civita  Vecchia.  Am  Jahrestage  der
Eroberung  Belgrads  zog  der  deutsche  Papst  in  Rom  ein.  Es
war  am  27.  August  1522,  1  dass  der  Freund  und  Gönner  Dr.
Martin  Luthers,  Franz  von  Sickingen,  welcher  1521  als  Herr
von  Deutschland  bezeichnet  worden  war,  dem  Churfürsten  von
Trier  den  Krieg  erklärte  und  damit  den  Plan  der  Reichsritterschaft, ­
  die  geistlichen  Fürsten  zu  stürzen,  offen  darlegte.  An
demselben  Tage  erschienen  Alfonso  Sanchez,  Botschafter  des
Kaisers,  und  Richard  Pace,  Botschafter  Königs  Heinrich  VIII.
von  England,  im  herzoglichen  .Palast  zu  Venedig  vor  dem
Dogen,  dem  Senate  und  der  Signoria,  um,  in  Kraft  des  Londoner ­
  Vertrages  vom  IG.  Juni,  Venedig  aufzufordern,  am  Kriege
gegen  —  König  Franz  von  Frankreich  Theil  zu  nehmen.  2
So  brach  zugleich  der  Bürgerkrieg  in  Deutschland,  der
Kampf  mit  den  Osmanen,  der  Krieg  mit  Frankreich  aus,  drohte
die  Vernichtung  Ungarns,  ob  Italien  französisch  oder  türkisch
würde,  war  die  Frage;  man  befürchtete  das  Eine  wie  das
Andere.
Zunächst  musste  man  jedoch  abwarten,  ob  die  Freunde
nicht  grössere  Verlegenheiten  bereiten  würden  als  die  Feinde.
Noch  in  Spanien  hatte  sich  der  Papst  über  die  geringe
Bereitwilligkeit  der  Vicekönige  beklagt,  welche  es  nicht  vergessen ­
  konnten,  dass  er  als  Gobernador  ihren  Interessen  entgegen ­
  gehandelt  hatte.  Er  musste  sehr  bald  empfinden,  dass
Don  Juan  Manuel,  der  kaiserliche  Botschafter  in  Rom,  noch
viel  weniger  freundliche  Gesinnungen  hege.
An  demselben  Tage,  an  welchem  Adrian  das  Cardinalscollegium
  um  sich  versammelte  und  den  im  Purpur  Einherschreitenden ­
  (purpuräti)  das  Mass  ihrer  Einkünfte  vorzeichnete, ­
  hielt  er  auch  mit  den  anwesenden  Botschaftern  einen
Kriegsrath  zur  Rettung  von  Rhodus  und  der  Abwendung  der
1  Ranke,  deutsche  Geschichte  II.  S.  55.
"  Calendar  of  state  papers  II.  p.  478.  n.  472.
            
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