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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunner.

orbium  zu  Wittenberg  veröffentlicht.  Es  ist  nicht  unsere  Aufgabe,
die  Bedeutung  dieser  Werke  zu  besprechen,  für  uns  sind  sie  nur
in  so  fern  wichtig,  als  sie  bei  der  Gregorianischen  Kalenderreform
  zu  Grunde  gelegt  wurden.  In  dieser  Hinsicht  hatten
sie  mehr  eine  moralische  als  praktische  Bedeutung. 1  Wir
haben  es  mehrmals  gesehen,  wie  sehr  den  Alphonsinischen
Tafeln  Misstrauen  entgegengebracht  wurde,  und  wie  unter
diesem  Alp  alle  Bestrebungen  nach  Reform  litten.  Dieser  war
nun  behoben,  und  man  konnte  mit  frischerem  Muthe  an  das
lang  besprochene  Werk  gehen.
5.  Die  grossen  Fragen,  welche  das  Concil  von  Trient  beschäftigten, ­
  verhinderten  es,  dass  trotz  mancher  Aufforderung
an  dasselbe  die  Kalenderfrage  nicht  zur  Sprache  kam.  Aber
als  man  in  der  letzten  Sitzung  am  4.  December  1563  dem
Pabste  den  Auftrag  gab,  Brevier  und  Messbuch  zu  reformiren,
da  zog  man  auch  den  Kalender  mit  ein. 2  Wenigstens  wurde
dies  in  Rom  so  aufgefasst,  denn  gestützt  auf  dieses  Deeret,
nahm  fünfzehn  Jahre  später  Pabst  Gregor  XIII.  den  Reformgedanken
  wieder  auf  und  führte  ihn  in  der  bekannten  Weise
durch.  3
Nun  aber  war  es  zu  spät.  Einst  hatten  die  Väter  des
Basler  Concils  die  Kalenderreform  verschoben,  um  nicht  neuen
Grund  zur  Zwietracht  zu  geben.  Zur  Zeit,  als  Gregor  XIII.
1  Namentlich  gilt  dies  für  das  Sonnenjalir,  welches  Copernicus  (Lib.  III.
cap.  13)  zu  365  T.  5  St.  49  M.  16  S.,  also  nur  um  4  Secunden  kürzer
als  Alphons  ansetzt.  Die  Gregorianische  Schaltregel  entspricht  genau  dem
Copernikanischen  Ansätze,  nach  welchem  in.  133’/n  Jahren  die  Anticipatio
der  Jahrpunkte  im  Julianischen  Jahre  1  Tag  beträgt,  während  die
Alphonsinischen  Tafeln  sie  zu  134 26 / 101  Jahren  ansetzen.
2  Theiner:  Acta  Genuina  Concilii  Tridentini.  T.  II.  pag.  505.  —  Deeretum
de  indice  librorum,  catechismo,  breviario  et  missali.
3  Bulle  Gregor  XIII.  in  Clavius:  Calendarii  Romani  Explicatio  pag.  13.
,Sane  ejusdem  concilii  patres,  cum  ad  reliquam  cogitationem  Breviani
quoque  curam  adjungerent,  tempore  tarnen  exclusi,  rem  totam  ex  ipsius
concilii  decreto  ad  auctoritatem  et  iudieium  Romani  Pontificis  retuleruut.
Duo  autem  Breviario  praecipue  continentur,  quorum  unum  preces  laudesque
  diviuas  festis  profestisque  diebus  persolvendas  compleetitur,  alterum
pertinet  ad  annuos  pascllae  festorumque  ex  eo  pendentiuni
reeursus  solis  et  lunae  motu  metiendos 1 .  Und  Clavius  sagt  pag.  3,
der  Pabst  habe  die  Reform  vorgenommeu  ,c.uin  in  saero  concilio  Tridentino
  Breviarii  missalisque  emendatio  Romano  Pontifici  reservata  esset.
            
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