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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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schrieben  habe,  der  sie  mit  auf  das  Concil  nach  Trient  nehmen
wollte.  Ausführlicher  als  Lucidus  behandelt  er  die  Correctur
des  Mondkalenders  und  spricht  sich  auf’s  Entschiedenste  gegen
die  astronomische  Rechnung  aus,  vor  Allem  macht  er  darauf
aufmerksam,  welche  Verwirrung  daraus  entstehen  könnte.  Aus
demselben  Grunde  räth  er  von  einer  Auslassung  von  Tagen
ab;  er  ist  der  letzte,  der  dies  gethan  und  schliesst  hiemit  die
Reihe  jener  ab,  welche  aus  Oportunitätsgründen  oder  geleitet
von  einer  freien  Anschauung  der  Dinge  vorgeschlagen  hatten,
den  Vorgefundenen  Stand  der  Jahrpunkte  beizubehalten.
Direct  für  das  Tridentiner  Concil  bestimmt,  war  das  im
Jahre  1539  abgefasste  Werk  des  Veroneser  Mathematikers
Petrus  Pitatus,  welches  derselbe  aber  erst  nach  einer  Umarbeitung ­
  im  Jahre  1564  drucken  Hess,  und  dann  dem  Pabste
Pius  IV.  widmete  mit  der  Aufforderung,  die  lang  ersehnte
Reform  vorzunehmen.  1
Er  theilt  dasselbe  in  vier  Propositionen;  in  der  ersten
behandelt  er  die  Frage,  ob  denn  Ostern  nicht  zu  einem  unbeweglichen ­
  Feste  erklärt  werden  könnte.  Er  meint,  dass  dies
in  der  Competenz  des  Concils  oder  des  Pabstes  liege;  aber
aus  ethischen  Gründen  erklärt  er  sich  dagegen;  die  Mondberechnung ­
  sei  althergebrachter  Gebrauch  der  Kirche,  und  dass
es  nicht  unvernünftig  sei,  bei  der  Zeitrechnung  den  Mond
zu  Hülfe  zu  nehmen,  beweise,  dass  sowohl  die  Culturvölker
1  Coinpendium  Petri  Pitati  Veronensis  in  Aeademia  Philarmgnica  Matliesim
profitentis  super  annua  solaris  atque  lunaris  anni  quantitate,  paschalis  item
solemnitatis  iuxta  veteres  ecelesiae  eanones  recognitione,  Romanique
Kalendarii  instauratione.  Deque  vero  passionis  atque  resurrectionis  dominicae
  die  superadditis  propositionilius  V  cum  nova  Paschae  celebritatis
forma  post  absolutum  Tridentini  concilium  1563  exinde  P.  M.  Pii  IV.
iussu  atque  ejusdem  pontificalis  colegii  c.onsensu  (si  modo  illi  placitum
fuerit)  executioni  mandanda.  Venetiis  apud  Dominicum  Nicolinum  1564.
(Eine  zweite  Ausgabe  Basel  1568).  Pitatus  hat  viel  an  diesem  Werke
herumgearbeitet.  Der  Theil,  in  welchem  sich  der  Kalender  befindet,  ist
vor  1539  abgefasst,  da  der  Cyclus  1520  —  1539  zu  Grunde  gelegt  ist,  die
gleich  darauf  folgende  Ostertafel  geht  von  1539  an  und  dabei.  wird  ausdrücklich ­
  dieses  Jahr  als  das  der  Abfassung  angegeben.  Dagegen  wünscht
er  bei  seinem  Vorschläge  betreffs  der  Correctur  des  Sonnenjahres,  dass
derselbe  in  den  ,künftigen  Jahren  1557  und  1558“  ausgeführt  werden
möge,  während  in  dem  1560  geschriebenen  Widmungsbriefe  an  Pius  IV.
die  Jahre  1561  und  1562  dafür  bezeichnet  werden.
            
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