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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunn  er.

der  bequemen  Handhabung.  So  ist  es  zu  erklären,  dass  von
den  Forderungen  der  neu  belebten  Wissenschaft  wieder  abgegangen ­
  und  einer  nüchterneren  Anschauung  Platz  gegeben ­
  wird.
Wir  werden  nur  mehr  wenige  einschlägige  Arbeiten  zu
betrachten  haben  und  ich  glaube,  mich  bei  denselben  kürzer
fassen  zu  dürfen,  da  ich  den  allgemeinen  Standpunkt,  auf  den
sie  stehen,  bereits  gekennzeichnet  habe.
Im  Jahre  1525  verfasste  der  Florentiner  Mönch  Johannes ­
  Lucidus  einen  kurzen  Tractat  über  die  Kalenderverbesserung. ­
  1  Er  erklärt,  dies  deshalb  unternommen  zu
haben,  weil  bisher  der  Jahresansatz  des  Arabers  Albategni  zu
wenig  beachtet  worden  sei.  Gerade  dieser  aber  sei  unter  Allen
der  beste.  Lucidus  kommt  zu  diesem  Resultate  auf  folgende
Weise:  Da  nach  übereinstimmender  Meldung  der  römischen
Schriftsteller  zur  Zeit  Casars  Aequinoctium  vernum  auf  den
25.  März  eingetreten  sei,  jetzt  aber  dasselbe  auf  den  10.  März
falle,  so  hätten  sich  die  Jahrpunkte  seither  um  15  Tage  verschoben. ­
  Ihm  ist  nun  derjenige  Ansatz  der  richtigste,  der  sich
hiemit  am  besten  in  Einklang  bringen  lässt.  Dies  erfüllt  nun
am  annäherndsten  der  Albategni’sche,  indem  nach  ihm  in
1590  Jahren  die  Anticipatio  der  Jahrpunkte  diese  Höhe  erreicht. ­
  In  106  Jahren  rücken  also  die  Jahrpunkte  um  1  Tag'
zurück,  somit  müsse  nach  jedesmaligem  Ablauf  derselben,  oder
zur  grösseren  Bequemlichkeit  nach  je  100  Jahren  1  Bissextus
ausgelassen  werden.  Lucidus  hat  hiemit  seine  Aufgabe  erfüllt,
und  geht  über  alle  anderen  Fragen  kurz  hinweg.  Benützt
wurde  diese  Arbeit  zwanzig  Jahre  später  von  dem  Predigermönche
  Johannes  Maria  de  Tholosanis  zu  Florenz, 2  der
mit  Lucidus  in  engem  Verhältniss  gestanden  zu  haben  scheint,
und  auch  dessen  Arbeiten  in  Verbindung  mit  seiner  kurzen
Aufzeichnung  herausgegeb,en  hat.  In  der  Einleitung  erzählt  er
uns,  dass  er  dieselbe  auf  Befehl  seines  Ordensgenerals  ge-1
  Epitoma  emendationis  calendarii  romani  pro  pascha  rite  celebrando  per
Joannem  Lucidum  natione  Gallunr.  Johannis  Lucidi  Opera  herausgegeben
von  Johannes  Maria  de  Tholosanis  Venedig  1546.  fol.  194 a  —  197 b .
2  Brevis  annotatio  emendatoria  calendarii  Romani  pro  pascliale  rite  celebrando ­
  ad  concilium  generale  directa  per  fratrem  Johannem  Manam
de  Tholosanis  ordinis  Praedicatorum.  Lucidi  Opera,  fol.  199.
            
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