Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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Haupt keine Rücksicht nahmen und so den immerwährenden
Kalender ganz fallen Hessen. Es hatte dies damals allerdings
schon Sinn, denn die Buchdruckerkunst machte es möglich,
durch Kalender oder Almanachs für eine Reihe von Jahren
oder für ein Jahr die astronomischen Neumonde dem allgemeinen
Gebrauche zugänglich zu machen. In Rom aber war
man anderer Ansicht; man wollte auch im kirchlichen Kalender
die Mittel geben, wie zuvor die Mondalterbestimmung machen
zu können, und da griff man nun allerdings zum einfachsten
aber zugleich auch zum schwerfälligsten Mittel — man erklärte
so zu sagen die Kalenderreform in Permanenz.
Durch die Ueberschickung der Propositionen an die Universitäten
war natürlich die Absicht Leo X. vereitelt worden,
die Kalenderreform in der zehnten Sitzung des Concils zur Verhandlung
zu bringen, obwohl dieselbe vom 1. December 1514
zunächst auf den 23. März und dann auf den 1. Mai 1515 vertagt
worden war, weil — wie es in den betreffenden Decreten
des Pabstes heisst — die zur Verhandlung kommenden Gegenstände
noch nicht reif zur Berathung waren. Die neuerliche
Aufforderung Leo’s scheint keinen grossen Erfolg gehabt zu
haben, denn wir wissen nur von einem an ihn gerichteten
Tractat; er ist abgefasst von Albertus Pighius, dem wir allein
die Kunde von den gewonnenen Resultaten verdanken. Seine
Arbeit wird in Rom keinen günstigen Boden mehr vorgefunden
haben, denn Leo scheint die Sache verdrossen zu haben —
m der von ihm autorisirten Ausgabe des Lateranensischen
Concils, 1 wird der beabsichtigten Reform mit keinem Worte
gedacht.
VII. Die Kalenderfrage nach dem Lateranensischen
Coneil bis Gregor XIII.
1. Albertus Pighius (Probst und Archidiaconus bei
St. Johann in Utrecht. Magister der Universität Löwen, gestorben
26. December 1542) hatte bereits im Jahre 1514 in
Folge der Aufforderung von Kaiser und Pabst an die Universität
Löwen von dieser den Auftrag erhalten, ein Gutachten
über die Kalenderverbesserung abzugeben.
1 Sanctum Lateranense concilium novissimum Rom. Jak. Mazochius 1521.
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