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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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Haupt  keine  Rücksicht  nahmen  und  so  den  immerwährenden
Kalender  ganz  fallen  Hessen.  Es  hatte  dies  damals  allerdings
schon  Sinn,  denn  die  Buchdruckerkunst  machte  es  möglich,
durch  Kalender  oder  Almanachs  für  eine  Reihe  von  Jahren
oder  für  ein  Jahr  die  astronomischen  Neumonde  dem  allgemeinen ­
  Gebrauche  zugänglich  zu  machen.  In  Rom  aber  war
man  anderer  Ansicht;  man  wollte  auch  im  kirchlichen  Kalender
die  Mittel  geben,  wie  zuvor  die  Mondalterbestimmung  machen
zu  können,  und  da  griff  man  nun  allerdings  zum  einfachsten
aber  zugleich  auch  zum  schwerfälligsten  Mittel  —  man  erklärte
so  zu  sagen  die  Kalenderreform  in  Permanenz.
Durch  die  Ueberschickung  der  Propositionen  an  die  Universitäten ­
  war  natürlich  die  Absicht  Leo  X.  vereitelt  worden,
die  Kalenderreform  in  der  zehnten  Sitzung  des  Concils  zur  Verhandlung ­
  zu  bringen,  obwohl  dieselbe  vom  1.  December  1514
zunächst  auf  den  23.  März  und  dann  auf  den  1.  Mai  1515  vertagt ­
  worden  war,  weil  —  wie  es  in  den  betreffenden  Decreten
des  Pabstes  heisst  —  die  zur  Verhandlung  kommenden  Gegenstände ­
  noch  nicht  reif  zur  Berathung  waren.  Die  neuerliche
Aufforderung  Leo’s  scheint  keinen  grossen  Erfolg  gehabt  zu
haben,  denn  wir  wissen  nur  von  einem  an  ihn  gerichteten
Tractat;  er  ist  abgefasst  von  Albertus  Pighius,  dem  wir  allein
die  Kunde  von  den  gewonnenen  Resultaten  verdanken.  Seine
Arbeit  wird  in  Rom  keinen  günstigen  Boden  mehr  vorgefunden
haben,  denn  Leo  scheint  die  Sache  verdrossen  zu  haben  —
m  der  von  ihm  autorisirten  Ausgabe  des  Lateranensischen
Concils, 1  wird  der  beabsichtigten  Reform  mit  keinem  Worte
gedacht.
VII.  Die  Kalenderfrage  nach  dem  Lateranensischen
Coneil  bis  Gregor  XIII.
1.  Albertus  Pighius  (Probst  und  Archidiaconus  bei
St.  Johann  in  Utrecht.  Magister  der  Universität  Löwen,  gestorben ­
  26.  December  1542)  hatte  bereits  im  Jahre  1514  in
Folge  der  Aufforderung  von  Kaiser  und  Pabst  an  die  Universität ­
  Löwen  von  dieser  den  Auftrag  erhalten,  ein  Gutachten
über  die  Kalenderverbesserung  abzugeben.
1  Sanctum  Lateranense  concilium  novissimum  Rom.  Jak.  Mazochius  1521.
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