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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunne  r.

in  der  ersten  Stunde  desselben  eintritt,  so  tritt  er  in  Lissabon
bereits  nach  dem  Mittag  des  Samstag  ein;  somit  ist  für  Catigara
der  Ostertag  8  Tage  später  zu  setzen  als  für  Lissabon;  wenn
aber  die  Bewohner  beider  Städte  ihn  am  selben  Tage  begehen,
so  essen  die  einen  eine  Woche  hindurch  Fleisch,  wo  sie  fasten
sollten,  oder  umgekehrt!  Weil  solche  Fälle  aber  doch  nur  seinselten
  eintreten,  so  habe  sich  die  Kirche  nicht  weiter  darum
zu  kümmern,  und  sie  solle  nur  zur  Vermeidung  aller  Streitigkeiten ­
  den  Meridian  von  Rom  für  die  ganze  Christenheit  als
massgebend  bezeichnen.
Mit  einer  Entschuldigung,  dass  sie  wegen  der  Kürze  der
ihnen  gegebenen  Frist  nicht  mehr  in  die  Sache  eingehen
konnten  und  einen  Hinweis  auf  das  Heranrücken  einer  neuen
Zeit,  in  der  sich  die  Wahrheit  aller  Orten  hervordränge  und
so  viele  Bücher  in  bewundernswerther  Schnelligkeit  gedruckt
und  über  den  Erdkreis  verbreitet  werden,  schliessen  die  Wiener
Mathematiker  ihren  Tractat  ab.
b)  Johannes  Stöffler.
Der  andere  Mathematiker  Deutschlands,  der  an  das  Lateranensische
  Concil  Vorschläge  einschickte  ist  Johannes
Stöffler,  geboren  zu  Justingen  in  Schwaben  1452,  von  1482
an  Lehrer  der  Mathematik  zu  Tübingen,  gestorben  1530  (nach
anderen  1531)  der  Lehrer  des  Sebastian  Münster  und  Philipp
Melanchton.  1
1  Vergl.  Riccioli  Almagestum.  XXIX.  Weidler  340.  Erchard.  III.  517  u.  ff.,
der  auch  ein  Verzeichniss  seiner  Werke  gibt.  Boek  Geschichte  der  Universität ­
  Tübingen  pag.  45  u.  ff.  —  Ich  hebe  von  seinen  Werken  nur
hervor:  Almanach  novum  plnrimis  annis  venturis.  Ulm  bei  Josef  Reger
1499.  Es  sind  Ephemeriden  für  die  Jahre  1499—1531.  Eine  Fortsetzung
ist:  Ephemeridum  opns  Jo.  Stöffleri.  Tübingen  hei  Huld  Morhardt  15.11
(für  die  Jahre  1532—1552).  Stöffler  hatte  durch  sein  erstes  Werk
grosses  Unheil  angerichtet.  Indem  er  für  den  11.  Februar  1524  eine
sogenannte  grosse  Conjunction  sämmtliclier  Planeten  in  dem  Zeichen
der  Fische  berechnete,  verkündete  er  daraus  eine  allgemeine  Ueberschwemmung
  und  das  Ende  der  Welt,  und  setzte  dadurch  ganz  Europa
in  Schrecken.  Tannstetter  widerlegte  diese  Weissagung  in  dem  an
Erzherzog  Ferdinand  gerichteten  Buche:  Libellus  eonsolatorius,  qu°
opinionem  jam  dudum  animis  hominum  ex  quorumdam  Astrologonim
divinatione  insidentem  de  futuro  diluvio  et  multis  aliis  liorrendis  penculis
  XXIV.  anni,  a  fundamento  extirpare  conatur 1 .  Wien  bei  J.  Singremus
1523  und  gab  auch  noch  im  selben  Jahre  eine  deutsche  Ueber-
            
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