Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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Nach einer kurzen theologischen Einleitung gehen sie
gleich auf ihre Vorschläge über. Sie wollen nicht mehr von
den Fehlern des Kalenders reden, da dieselben schon sorgfältig
untersucht worden sind von Johann von Muris, Petrus
de Alliaco und Nicolaus Cusanus. 1 Sie halten es nun vor
Allein für heilsam, wenn die Kirche bei der Verbesserung des
Kalenders die wahren Bewegungen von Sonne und Mond zu
Grunde legen würde und nicht die mittleren.
,Denn was sind denn diese mittleren Bewegungen? Etwas
Immaginäres und Eingebildetes, das von der Wahrheit oft genug
abweicht! Die Nothwendigkeit hiezu erhellt auch daraus, dass
nach den mittleren Bewegungen das Osterfest oft um 1 Monat
zu spät gefeiert wird. Dies kann man klar ersehen aus den
Schriften des grossen Begiomontanus, 2 der durch die Ostertafel
am Ende seines Kalenders die Differenzen zwischen kirchlichen
und wahren Ansätzen klar dargelegt hat. Sie erzählen
nun, dass Begiomontanus für das Jahr 1503 den Juden nachgewiesen
habe, dass auch sie manchmal bei Ansetzung ihres
nommen wurden, andere nicht. Er wurde hierauf — offenbar nach 1514
aber vor 1519 — zu Wien durch Johannes Singrenius gedruckt (Beschreibung
bei Denis Wiener Buchdruckergeschichte pag. 316). Ausser
dem Tractate findet sich darin eine Widmung an den Cardinal Mathäus
von Gurk (Mathäus Lang von Wellenberg 1505—1519 Bischof von Gurk,
dann Erzbischof von Salzburg), hierauf der schon angeführte Brief Maximilians
und schliesslich die Empfangsbestätigung des Kaisers, gelichtet
an den Kector und das Consistorium der Universität, dat. Innsbruck
16. December 1514; in derselben spricht er sich sehr anerkennend über
die Arbeit der beiden Mathematiker aus und zeigt an, dass er dieselbe
bereits nach Rom abgeschickt habe. Der Wortlaut des Briefes Hesse
vermuthen, dass auch die Universität ein Gutachten an den Kaiser überschickt
habe; jedoch kann dies wegen der Kürze der Zeit nicht leicht
angenommen werden. Vielleicht wurde die Arbeit vom Rector signirt
oder mit einem gutheissenden Begleitschreiben an den Kaiser eingeschickt,
wofür ich ein Analogon bei dem Gutachten des Dr. Paulus Fabricius
über die Gregorianische Kalenderreform anführen kann. (Wiener
H.-, H.- u. Staats-Archiv. Reichssachen i. sp. 1582 — 1584).
1 Diese drei Tractate werden sie wohl aus dem Cod. 5266 gekannt haben.
2 In der Widmung an den Bischof von Gurk sagen sie, dass, wenn ihnen
aus ihrer Arbeit Ruhm erwachsen sollte, er nicht ihnen sondern dem Johann
de Monte Regio gebühre, der Zierde der Wiener Universität und
des'gesammten Deutschlands; denn unter Allen, die über diesen Gegenstand
geschrieben, habe er dafür die sichersten Grundlagen geliefert.