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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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Nach  einer  kurzen  theologischen  Einleitung  gehen  sie
gleich  auf  ihre  Vorschläge  über.  Sie  wollen  nicht  mehr  von
den  Fehlern  des  Kalenders  reden,  da  dieselben  schon  sorgfältig ­
  untersucht  worden  sind  von  Johann  von  Muris,  Petrus
de  Alliaco  und  Nicolaus  Cusanus.  1  Sie  halten  es  nun  vor
Allein  für  heilsam,  wenn  die  Kirche  bei  der  Verbesserung  des
Kalenders  die  wahren  Bewegungen  von  Sonne  und  Mond  zu
Grunde  legen  würde  und  nicht  die  mittleren.
,Denn  was  sind  denn  diese  mittleren  Bewegungen?  Etwas
Immaginäres  und  Eingebildetes,  das  von  der  Wahrheit  oft  genug
abweicht!  Die  Nothwendigkeit  hiezu  erhellt  auch  daraus,  dass
nach  den  mittleren  Bewegungen  das  Osterfest  oft  um  1  Monat
zu  spät  gefeiert  wird.  Dies  kann  man  klar  ersehen  aus  den
Schriften  des  grossen  Begiomontanus, 2  der  durch  die  Ostertafel ­
  am  Ende  seines  Kalenders  die  Differenzen  zwischen  kirchlichen ­
  und  wahren  Ansätzen  klar  dargelegt  hat.  Sie  erzählen
nun,  dass  Begiomontanus  für  das  Jahr  1503  den  Juden  nachgewiesen ­
  habe,  dass  auch  sie  manchmal  bei  Ansetzung  ihres

nommen  wurden,  andere  nicht.  Er  wurde  hierauf  —  offenbar  nach  1514
aber  vor  1519  —  zu  Wien  durch  Johannes  Singrenius  gedruckt  (Beschreibung ­
  bei  Denis  Wiener  Buchdruckergeschichte  pag.  316).  Ausser
dem  Tractate  findet  sich  darin  eine  Widmung  an  den  Cardinal  Mathäus
von  Gurk  (Mathäus  Lang  von  Wellenberg  1505—1519  Bischof  von  Gurk,
dann  Erzbischof  von  Salzburg),  hierauf  der  schon  angeführte  Brief  Maximilians ­
  und  schliesslich  die  Empfangsbestätigung  des  Kaisers,  gelichtet
an  den  Kector  und  das  Consistorium  der  Universität,  dat.  Innsbruck
16.  December  1514;  in  derselben  spricht  er  sich  sehr  anerkennend  über
die  Arbeit  der  beiden  Mathematiker  aus  und  zeigt  an,  dass  er  dieselbe
bereits  nach  Rom  abgeschickt  habe.  Der  Wortlaut  des  Briefes  Hesse
vermuthen,  dass  auch  die  Universität  ein  Gutachten  an  den  Kaiser  überschickt ­
  habe;  jedoch  kann  dies  wegen  der  Kürze  der  Zeit  nicht  leicht
angenommen  werden.  Vielleicht  wurde  die  Arbeit  vom  Rector  signirt
oder  mit  einem  gutheissenden  Begleitschreiben  an  den  Kaiser  eingeschickt, ­
  wofür  ich  ein  Analogon  bei  dem  Gutachten  des  Dr.  Paulus  Fabricius
  über  die  Gregorianische  Kalenderreform  anführen  kann.  (Wiener
H.-,  H.-  u.  Staats-Archiv.  Reichssachen  i.  sp.  1582  —  1584).
1  Diese  drei  Tractate  werden  sie  wohl  aus  dem  Cod.  5266  gekannt  haben.
2  In  der  Widmung  an  den  Bischof  von  Gurk  sagen  sie,  dass,  wenn  ihnen
aus  ihrer  Arbeit  Ruhm  erwachsen  sollte,  er  nicht  ihnen  sondern  dem  Johann ­
  de  Monte  Regio  gebühre,  der  Zierde  der  Wiener  Universität  und
des'gesammten  Deutschlands;  denn  unter  Allen,  die  über  diesen  Gegenstand ­
  geschrieben,  habe  er  dafür  die  sichersten  Grundlagen  geliefert.
            
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