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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunn  er.

dieses  Jahres  gehalten  werden.  1  Es  war  daher  für  die  Arbeit
wenig  Zeit  und  die  mit  ihr  betrauten  Männer  mussten  sich
daher  begnügen,  nur  ganz  kurz  gefasste  Tractate  zu  übersenden. ­
  Der  eine  derselben  ist  uns  noch  in  seiner  ursprünglichen ­
  Form  erhalten,  während  der  andere,  in  ein  umfangreiches
Lehrgebäude  der  Chronologie  verarbeitet,  uns  vorliegt.
a)  Der  Vorschlag  der  Wiener  Mathematiker.
Die  kurze  Lehrthätigkeit  des  Georg  von  Peuerbach  und
des  Regiomontan  hatte  auf  die  Wiener  Schule  befruchtend  eingewirkt, ­
  denn  wir  kennen  eine  ganz  stattliche  Reihe  von  Mathematikern, ­
  die  am  Ende  des  15.  und  zu  Anfang  des  16.  Jahrhunderts ­
  in  Wien  thätig  waren. 2  Einer  der  bedeutendsten
derselben  war  Georg  Tannstetter  (geboren  zu  Rein  in  Baiern,
Doctor  der  Medicin  und  der  freien  Künste,  Ordinarus  an  der
Universität,  deren  Rectorat  er  im  Jahre  1512/3  bekleidete,
gestorben  1535),  der  sich  schon  durch  die  Herausgabe  der
Tabulae  ecclypsium  Georgii  Peuerbachii  ein  grosses  Verdienst
erworben  hatte.  Ihm  eng  befreundet,  wahrscheinlich  als  Lehrer,
war  Andreas  Stiborius  Doctor  der  Theologie  und  Canoniker  von
St.  Stephan,  der  sich  aber  auch  als  Mathematiker  hervorthat. 3
Diese  beiden  Männer  wurden  nun  vom  Kaiser  aufgefordert, ­
  ihre  Ansichten  über  die  Kalenderverbesserung  niederzuschreiben. ­
  Sie  thaten  dies  auch  und  schickten  ihr  ,Consilium'
zur  gewünschten  Frist  an  den  Kaiser,  der  es  dann  nach  Rom
beförderte. 4
1  In  der  Ankündigungsbulle  der  Sessio  X.  vom  5.  Mai  151+  ist  die  Kalenderreform ­
  nicht  direct  erwähnt,  sondern  nur  von  wichtigen  zu
fassenden  Beschlüssen  die  Rede.  Dass  unter  diesen  auch  die  Kalenderreform ­
  war,  erhellt  aus  dem  Briefe  des  Kaisers.
-  Wir  lernen  dieselbe  kennen  aus  Tannstetter’s  schon  oft  angeführtem
Buche.
3  Tannstetter  a.  a.  0.  gibt  ein  Yerzeichniss  seiner  Werke  und  seiner
Bibliothek.
4  Der  Tractat  führt  den  Titel:  Andreae  Stiborii  Boii  theologi  et  mathematici
  et  Georgii  Tannstetter  Colimitii  phisici  et  mathematiei,  super  requisitionem
  sanctissimi  Leonis  papae  X.  et  divi  Maximiliani  imperatoris
pacifici  felicissimi  Augusti:  De  Romani  Kalendarii  Correctione  Consilium
in  florentissimo  studio  Viennensi  Austriae  conscriptum  et  editum.  Er  findet
sich  handschriftlich  im  Cod.  Vindob.  10358  fol.  113“—120 b .  Es  ist
der  Originalentwurf,  denn  zwei  Hände  haben  daran  gearbeitet,  die  eine
den  Context,  die  andere  Noten,  von  denen  einige  in  den  Druck  anfge-
            
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