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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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erstcrem  sei  es  geradezu  unmöglich,  dass  Christus,  wenn  er
im  Frühlingsäquinoctium  incarnirt  worden  ist  —  im  Wintersolstitium
  geboren  worden  sei,  denn  wenn  Aequinoctium  auf
den  25.  März  —  den  Tag  der  Incarnatio  —  fällt,  so  tritt
Solstitium  hyemale  am  23.  December  ein,  während  Christus
nach  der  übereinstimmenden  Ansicht  der  Kirchenväter  am
25.  December  geboren  worden  ist.  Dazu  komme  noch,  dass
es  überhaupt  ganz  überflüssig  sei,  diese  vier  Feste  auf  die
Jahrpunkte  zu  stellen,  denn  als  unbewegliche  Feste  stehen  sie
in  keinem  inneren  Zusammenhang  mit  ihnen.  Ausserdem  macht
Paulus  dem  Vigerius  zum  Vorwurf,  dass  er  die  Dauer  des
tropischen  Jahres  ungenau  angebe,  indem  er  sie  zu  365  T.
5  St.  46  M.  ansetze;  dies  weiche  von  dem  Alplionsinischen
Ansätze  um  3  Minuten  ab;  daher  wäre  auch  nicht  nach  je
100  Jahren  1  Tag  auszulassen  —  wie  Vigerius  vorschlage  —
sondern  in  je  134  Jahren.  1  Von  der  Nothwendigkeit,  die  numeri
aurei  des  Kalenders  zu  corrigiren,  scheine  der  Autor  gar  nichts
zu  wissen.
Hierauf  wendet  sich  Paulus  gegen  Piere  d’Ailly.  Mit  Recht
erklärt  er  dessen  Vorschlag,  den  arabischen  dreissigjährigen
Mondcyclus  zur  Bestimmung  der  Neumonde  zu  verwenden,  als
völlig  unbrauchbar;  denn  die  Araber  hätten  reine  Mondjahre,
beachteten  also  nicht  im  Mindesten  das  Aequinoctium  vernum,
das  doch  einer  der  beiden  Factoren  bei  der  Osterberechnung  sei.
Diese  arabischen  Mondjahre  zu  354,  eventuell  355  Tagen,  könnten
aber  auf  keine  Weise  dem  Julianischen  Sonnenjahre  eingefügt
werden,  weil  die  Neumonde  nach  30  Jahren  allerdings  wieder
auf  die  gleichen  Stunden,  nicht  aber  auf  die  gleichen  Monatstage
fallen.  Dagegen  findet  der  Vorschlag  Piere  d’Ailly’s  in  Bezug
auf  die  Correctur  des  Sonnenjahres  vollständig  die  Billigung
des  Paulus;  nur  müsse  man  bereits  an  seinen  termini  paschales
eine  Aenderung  vornehmen,  da  inzwischen  das  Aequinoctium
und  die  Neumonde  wieder  zurückgegangen  seien;  im  num.  aur.
1  Vigerius  folgte  dem  Ansätze  des  Albategni.  —  Mit  der  bestimmten
Sprache,  die  Paulus  hier  führt,  ist  nicht  recht  vereinbar,  dass  er  dem
Copernicus  den  Auftrag  gab,  die  Länge  des  tropischen  Jahres  —  genauer ­
  als  es  bisher  geschehen  war  —  zu  bestimmen.  (Copernicus  De
revolutionibus  orbium  coelestium.  Nürnberg  1543.  Praefatio  ad  Paulum  III.)
            
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