Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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erstcrem sei es geradezu unmöglich, dass Christus, wenn er
im Frühlingsäquinoctium incarnirt worden ist — im Wintersolstitium
geboren worden sei, denn wenn Aequinoctium auf
den 25. März — den Tag der Incarnatio — fällt, so tritt
Solstitium hyemale am 23. December ein, während Christus
nach der übereinstimmenden Ansicht der Kirchenväter am
25. December geboren worden ist. Dazu komme noch, dass
es überhaupt ganz überflüssig sei, diese vier Feste auf die
Jahrpunkte zu stellen, denn als unbewegliche Feste stehen sie
in keinem inneren Zusammenhang mit ihnen. Ausserdem macht
Paulus dem Vigerius zum Vorwurf, dass er die Dauer des
tropischen Jahres ungenau angebe, indem er sie zu 365 T.
5 St. 46 M. ansetze; dies weiche von dem Alplionsinischen
Ansätze um 3 Minuten ab; daher wäre auch nicht nach je
100 Jahren 1 Tag auszulassen — wie Vigerius vorschlage —
sondern in je 134 Jahren. 1 Von der Nothwendigkeit, die numeri
aurei des Kalenders zu corrigiren, scheine der Autor gar nichts
zu wissen.
Hierauf wendet sich Paulus gegen Piere d’Ailly. Mit Recht
erklärt er dessen Vorschlag, den arabischen dreissigjährigen
Mondcyclus zur Bestimmung der Neumonde zu verwenden, als
völlig unbrauchbar; denn die Araber hätten reine Mondjahre,
beachteten also nicht im Mindesten das Aequinoctium vernum,
das doch einer der beiden Factoren bei der Osterberechnung sei.
Diese arabischen Mondjahre zu 354, eventuell 355 Tagen, könnten
aber auf keine Weise dem Julianischen Sonnenjahre eingefügt
werden, weil die Neumonde nach 30 Jahren allerdings wieder
auf die gleichen Stunden, nicht aber auf die gleichen Monatstage
fallen. Dagegen findet der Vorschlag Piere d’Ailly’s in Bezug
auf die Correctur des Sonnenjahres vollständig die Billigung
des Paulus; nur müsse man bereits an seinen termini paschales
eine Aenderung vornehmen, da inzwischen das Aequinoctium
und die Neumonde wieder zurückgegangen seien; im num. aur.
1 Vigerius folgte dem Ansätze des Albategni. — Mit der bestimmten
Sprache, die Paulus hier führt, ist nicht recht vereinbar, dass er dem
Copernicus den Auftrag gab, die Länge des tropischen Jahres — genauer
als es bisher geschehen war — zu bestimmen. (Copernicus De
revolutionibus orbium coelestium. Nürnberg 1543. Praefatio ad Paulum III.)