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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunn  er.

Dieses  Werk  geht  nun  weiter  über  den  Rahmen  der  hier
zu  besprechenden  Frage  hinaus;  denn  es  behandelt  die  ganze
Geschichte  des  Osterfestes  von  der  angeblichen  Einsetzung
desselben  durch  Christus  bis  zum  gegenwärtigen  Stand  des
Kalenders.  Von  den  14  Büchern  der  Paulina  werden  uns  nur
das  7.  (über  die  Fehler  des  Kalenders),  das  8.  (über  einen
neuen  von  Paulus  erfundenen  Mondcyclus),  das  9.  (über  die
Verbesserung  des  Kalenders)  und  das  13.  (über  die  Berechtigung
derselben)  zu  beschäftigen  haben.
Nachdem  Paulus  die  Hauptfehler  des  Kalenders  angeführt
hat,  geht  er  im  Capitel  II  des  7.  Buches  in  die  Kritik  einiger
seiner  Vorgänger  ein,  zunächst  in  die  des  Nicolaus  Cusanus.
Derselbe  habe  vorgeschlagen  10  Tage  aus  dem  Kalender  auszulassen, ­
  um  die  Jahrpunkte  wieder  auf  den  Stand  des  Nicänischen
  Concils  zu  bringen.  Dies  sei  nun  ganz  überflüssig,
denn  der  21.  März  habe  mit  dem  Osterfeste  keinen  weiteren
Zusammenhang  als  den,  dass  gerade  zur  Zeit  des  Nicänisclien
Concils  Aequinoctium  vernum  auf  ihn  fiel;  da  es  jetzt  nicht
mehr  an  demselben  eintrete,  so  falle  dieser  Zusammenhang
von  selber  weg.  Denn  offenbar  hänge  doch  das  Osterfest  vom
Aequinoctium  ab  und  nicht  das  Aequinoctium  vom  Osterfest.  Da
jetzt  ersteres  auf  den  10.  März  falle,  so  müsse  doch  von  diesem
Tage  Ostern  abhängig  gemacht  werden.  Zudem  würde  durch
diese  Auslassung  von  10  Tagen  grosse  Verwirrung  in  die  Zeitrechnung ­
  gebracht  und  dem  Volke  Aergerniss  gegeben  werden. 1
Nicht  besser  kommt  ein  Zeitgenosse  des  Paulus  weg,  von  dem
ihm  währönd  der  Ausarbeitung  der  Paulina  ein  Tractat  über
die  Kalenderverbesserung  zugekommen  war.  Es  ist  der  Cardinal
von  Sinegaglia  —  Marcus  Vigerius  —  dessen  Namen  Paulus
lieber  verschweigen  wollte,  da  sein  Vorschlag  ganz  unbrauchbar
sei.  Es  sollten  nämlich  nach  des  Vigerius  Ansicht  14  Tage
ausgelassen  werden,  um  die  Jahrpunkte  wieder  auf  die  VIII
Kalenden  zu  bringen,  wohin  sie  Plinius  setzt  und  worauf
sie  nach  dem  Evangelium  Johannis  zur  Zeit  Christi  gefallen
sind.  Nur  müsse  man  —  wirft  Paulus  ein  —  in  derlei  Dingen
doch  mehr  dem  Ptolomäus  als  dem  Plinius  glauben,  und  nach
1  Zur  Richtigstellung  dieses  Berichtes  über  den  Cusanischen  Vorschlag
vergl.  pag.  347.
            
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