Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

374

Kaltenb  runner.

solche  auf,  die  nur  für  ein  Jahr  gültig-  sind.  So  verfasste  der
Wiener  Mathematiker  Johannes  Angelus 1  einen  Almanach
novum  atque  correctum  ex  propriis  tabulis  auf  das  Jahr  1510
und  hierauf  für  1512; 2  ebenso  Andreas  Perlach  einen  Kalender ­
  für  das  Jahr  1518. 3
So  sehen  wir  denn  im  Ausgange  des  15.  Jahrhunderts
durch  die  Verbreitung  der  Buchdruckerkunst  den  kirchlichen
Kalender  allmälich  aus  dem  praktischen  Gebrauche  verdrängt;
er  konnte  in  seiner  starren  Form  einzig  und  allein  noch  zur
Festberechnung  dienen,  deren  Fehlerhaftigkeit  nur  in  weiteren
Kreisen  bekannt  wurde.  Der  Contrast  zwischen  kirchlicher
und  astronomischer  Rechnung  wurde  immer  greller  und  drängte
so,  die  Kalenderverbesserung  in  Angriff  zu  nehmen.
Durch  ein  unglückliches  Ereigniss  aber  wurde  dieselbe
abermals  auf  ein  Jahrhundert  hinausgeschoben.  Pabst  Sixtus  IV.
hatte  den  Regiomontan  im  Jahre  1476  nach  Rom  berufen,
damit  ihm  dieser  bei  der  Kalenderreform  beihiilflich  sei.  1  Der
Nürnberger  Astronom  nahm  diesen  ehrenvollen  Antrag  an,
starb  aber  leider  kurz  nach  seiner  Ankunft  in  Rom  am  6.  Juli
1476.  In  welcher  Weise  Regiomontanus  die  Reform  vornehmen
wollte,  wissen  wir  nicht;  gewiss  aber  kann  man  sagen,  dass
von  dem  erleuchteten  Sinne  des  grossen  Mannes  ein  gutes  Resultat ­
  erzielt  worden  wäre,  und  wahrlich  —  viel  kleinlicher
Hader  wäre  dann  dem  Reiche  deutscher  Nation  erspart  geblieben ­
  !

1  Johannes  Angelus  geboren  zu  Aicha  in  Baiern,  g-estorben  29.  September
1512  zu  Wien.  Er  schrieb  Ephemerides  coelestium  motuum  usque  ad
annuin  1500,  gedruckt  1494  zu  Wien.  (Hain  1102)  und  Astrolabium  planum ­
  in  tabulis  ascendens.  Gedruckt  Augsburg  1488  und  Venedig  1494.
(Hain.  1100  und  1101).  Ausserdem  führt  Tannstetter  (a.  a.  0.)  an,  er
habe  ein  Werk:  de  correctione  ICalendarii  geschrieben.  Ich  kann  dasselbe
weder  gedruckt  noch  handschriftlich  nachweisen.
2  Denis  Wiener  -  Buchdruckergeschichte:  pag.  79  und  305.
3  Vergl.  pag.  360.  Anmerkung  4.
4  Gassendi  a.  a.  O.  pag.  470:  Sixtus  etiam  quartus  ad  eum  (Regiomontanum)
scripsit,  ut  ad  sese  accederet,  decrevisse  nimirum  se,  calendarn  reformationem
  serio  aggredi,  ac  reperiri  neminem,  cujus  opera  ac  industria
aeque  ac  ipsius  posse  adjutari.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.