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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kalten!)  runner.

rion  zu  Venedig  und  auch  mir  von  gewissen  Hebräern  aufgeworfen ­
  wurde.  Diese  Zweideutigkeit  scheint  auch  einst  die
Priester  von  Bremen  verleitet  zu  haben,  dass  sie  den  Ostertag ­
  fast  um  1  Monat  früher  ansetzten,  als  die  übrigen  Christen,
worüber  bis  zum  heutigen  Tage  über  sie  ein  Witzwort  besteht.
Am  meisten  aber  haben  wir  uns  zu  schämen  über  die  verleumderischen ­
  Worte,  welche  uns  immer  wieder  die  hebräische
Verstocktheit  entgegenschleudert,  indem  sie  uns  stets  zum
Vorwurfe  macht,  dass  wir  nicht  darauf  bedacht  sind,  die
einfachsten  Regeln  des  göttlichen  Gesetzes  zu  befolgen,  und  uns
der  Unwissenheit  und  Unbeständigkeit  anklagt.  Aus  diesem
Grunde  lohnt  es  sich  wohl  der  Mühe  einige  Jahre  im  Voraus
zu  bestimmen,  in  welchen  der  richtige  Ansatz  des  Osterfestes
von  der  alten  Dionysischen  Regel  abweichen  wird,  auf  dass
man  damit  unvorhergesehen  abgeschossene  Pfeile  des  Spottes
auffangen  könne'.
Regiomontan  gibt  nun  30  derartige  Fälle  in  einer  Tabelle;
sie  umfassen  den  fünfuudfünfzigjährigen  Zeitraum  von  1477  bis
1532,  was  wohl  die  Fehlerhaftigkeit  der  Osterregel  grell  beleuchten ­
  musste.  Er  setzt  in  derselben  dem  Pascha  juxta  usum
ecclesiae  gegenüber  das  Pascha  juxta  decreta  patrum,  welches
er  mit  Hülfe  der  astronomisch  bestimmten  Aequinoctien  und
Vollmonde  berechnet.  In  einer  4.  Rubrik  —  die  erste  enthält  die
entsprechenden  Jahre  —  gibt  er  dann  die  Differenz  der  beiden
Ansätze,  die  bekanntlich  zwischen  7,  28  und  35  Tagen  -wechselt.
Ueber  die  Mittel,  den  kirchlichen  Kalender  zu  verbessern,
spricht  er  sich  hier  nicht  aus.  Dies  mag  er  gethan  oder
wenigstens  zu  thun  beabsichtigt  haben  in  seinem  Werke:  de
instauratione  Kalendarii  ecclesiae,  von  dessen  Druck
wir  keine  Notiz  haben,  ja  von  dem  wir  nicht  einmal  wissen,
ob  es  Regiomontan  wirklich  abgefasst  hat.
Als  Regiomontan  seinen  Wohnsitz  in  Nürnberg  aufgeschlagen ­
  und  mit  den  reichen  Mitteln  des  Patriciers  Walther
eine  eigene  Druckerei  eingerichtet  hatte,  druckte  er  um  das
Jahr  1473  ein  Verzeichniss  derjenigen  Werke,  welche  er  veröffentlichen ­
  wollte.  Es  führt  den  Titel:  Haec  opera  fient  in
oppido  Nuremberga  Germaniae  ductu  Joannis  de  Monteregio. 1

1  Hain  Repert.  Nr.  13807.
            
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