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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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in  der  er  für  70  Städte  Europas  die  Polhöhe  und  daneben
Stunden  und  Minuten  einschrieb,  welche  für  dieselben  von  den
im  Kalender  stehenden  Angaben  addirt  oder  subtrahirt  werden
müssen.  Da  ferner  die  Sonne  nach  Ablauf  eines  bürgerlichen
Jahres  an  denselben  Kalendertagen  nicht  dieselbe  Stellung  im
Zodiacus  einnimmt  als  im  Vorjahre,  so  gibt  er  zweitens  in
der  Tabula  solis  für  die  Jahre  1475—1534  die  in  Graden  und
Minuten  ausgedrtickten  Reductionszahlen.
Somit  gilt  Regiomontan’s  Kalender  für  die  lunaren  Daten
bis  1532,  für  die  solaren  bis  1534.  Ausgangspunkt  der  Zählung
ist  ihm  das  Jahr  1475.
Am  Schlüsse  kommt  Regiomontanus  auf  die  Fehler  der
Osterfeier  zu  sprechen.  ,Ich  würde,  sagte  er,  hiemit  meinen
Kalender  beschliessen,  wenn  nicht  noch  ein  Zweifel  über  die
Feier  des  Osterfestes  mir  entgegentreten  würde.  Für  diese  Frage
wird  hoffentlich  das  gegenwärtige  Werk  von  einigem  Nutzen
sein.  Denn  da  es  göttliches  Gesetz  ist,  dass  Ostern  nach  dem
vierzehnten  Tage  (dem  Vollmond)  des  ersten  Monats  gefeiert
werden  muss,  so  hängt  offenbar  die  richtige  Befolgung  desselben ­
  von  zwei  Dingen  ab;  vom  Frühlingsäquinoctium  und
vom  Frühlingsvollmonde,  welchen  beiden  in  dem  von  der  Kirche
benützten  römischen  Kalender  feste  Plätze  angewiesen  sind.
Weil  aber  die  Art  des  Schaltens  beim  Sonnenjahre  nicht  ganz
richtig  ist,  und  'weil  die  Neumonde  in  76  Jahren  etwa  um
6  Stunden  vorrücken,  so  wird  —  da  zu  unserer  Zeit  Aequinoctium
  vernum  auf  den  11.  März  fällt  —  jedes  Mal,  wenn
zwischen  dem  11.  und  21.  März  ein  Vollmond  fällt,  dieser  der
ursprünglichen  Bestimmung  gemäss  —  wenn  auch  im  Widerspruche ­
  mit  dem  Computus  des  Abtes  Dionysius  Exiguus  -—
der  wahre  Ostervollmond  sein.  Diejenigen  also,  welche  wissen,
dass  jetzt  Aequinoctium  auf  den  11.  März  fällt  —  was  so  ziemlich ­
  allgemein  bekannt  ist,  diejenigen  ferner,  welche  am  Himmel
oder  aus  Tafeln  die  Vollmonde  bestimmen,  und  diejenigen,
welche  den  Wortlaut  des  göttlichen  Gesetzes  kennen,  alle  diese
werden  sich  wundern,  warum  denn  —  wenn  innerhalb  dieser
Tage  ein  Vollmond  fällt  —  nicht  am  nächsten  Sonntag  Ostern
geleiert  wird,  sondern  dasselbe  auf  Befehl  der  Kirche  um
4  bis  5  Wochen  verschoben  wird.  Daraus  entstehen  nun
mancherlei  Streitfragen,  wie  eine  solche  dem  Cardinal  Bessa-
            
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