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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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sitilt  angehörte  und  er  hat  einen  Einband,  der  entschieden  dem
15.  Jahrhundert  angehört  und  in  Wien  entstanden  sein  wird,
da  als  Vorsteckblätter  zwei  Wiener  Urkunden  aus  den  Jahren
13.'und  1400  dazu  verwendet  sind.
Der  Kalender  des  Johannes  de  Gamundia  nimmt  die  ersten
zwanzig  Blätter  der  Pergamenthandschrift  in  Quart  ein.  Er
tlieilt  sich  in  das  eigentliche  Kalendarium  (fol.  l b —13“)  und
in  Canones,  die  Erläuterungen  und  Tafeln  enthalten.
Es  ist  sehr  sauber  und  sorgfältig  mit  schwarzer,  rother
und  blauer  Tinte  geschrieben.  Jedem  Monat  sind  zwei  Seiten
zugewiesen,  so  dass  sie  dem  Beschauer  als  ein  Ganzes  erscheinen. ­
  Auf  der  rechts  liegenden  Seite  finden  sich  neun  Rubriken: ­
  1.  Monatstag.  2.  Litterae  feriarum.  3.  Römisches  Datum. ­
  4.  Feste.  5.  Litterae  signorum  *.  6.  Gradus  solis.  7.  Quantitas
  dierum.  8.  Ortus  solis.  9.  Occasus  solis.  Am  Rande  sind
ausser  den  Zeichen  des  Thierkreises  auch  die  Jahrpunkte  und
die  Claves  terminorum  verzeichnet.  Im  März  und  April  sind
vom  22.  März  bis  25.  April  in  der  Rubrik  der  Feste  Buchstaben ­
  von  b—u  in  schwarzer  und  von  a—q  in  rother  Tinte
gegeben;  —  es  sind  dies  die  auf  dem  System  der  synodischen
Lunarbuchstaben  beruhenden  litterae  paschales  oder  1.  tabularum.

Die  Tafel  enthält  also  Alles,  was  zur  Festberechnung
nothwendig  war.  Nur  konnte  auch  hier  schon  der  Widerspruch
zwischen  kirchlichen  und  astronomischen  Ansätzen  in  die  Augen
fallen,  wenn  man  zum  11.  März  Aequinoctium  vernum  und
erst  zum  22.  den  den  ersten  Ostertag  anzeigenden  Tabularbuchstaben ­
  eingetragen  fand.
Auf  der  dem  Beschauer  links  liegenden  Seite  befindet  sich
nun  der  verbesserte  Mondkalender  für  einen  sechsundsiebzigjährigen ­
  Cyclus  ;  und  zwar  sind  nicht  blos  die  Neumonde  sondern
auch  die  Vollmonde  gegeben,  so  dass  jeder  Cyclus  sechs  Columnen
1  Es  sind  dies  die  periodischen  Lunarbuchstaben  28  an  der  Zahl;  um
sie  durch  ein  Alphabet  wiedergeben  zu  können,  erfand  man  für  die
drei  letzten  eigene  Zeichen.  Sie  kommen  schon  in  sehr  alten  Kalendern ­
  vor  (vergl.  Sickel,  Lunarbuchstaben  pag.  197)  und  spielen  in  den
Mondkalendern  eine  grosse  Rolle,  da  man  durch  sie  bestimmen  konnte,
in  welchem  Zeichen  sich  der  Mond  befand,  sobald  man  den  Monatstag
tind  den  numerus  aureus  des  Jahres  kannte.
Sitzungsber.  d.  pliil.-hist.  CI.  LXXXII.  Bd.  III.  Hft.  24
            
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