Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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sitilt angehörte und er hat einen Einband, der entschieden dem
15. Jahrhundert angehört und in Wien entstanden sein wird,
da als Vorsteckblätter zwei Wiener Urkunden aus den Jahren
13.'und 1400 dazu verwendet sind.
Der Kalender des Johannes de Gamundia nimmt die ersten
zwanzig Blätter der Pergamenthandschrift in Quart ein. Er
tlieilt sich in das eigentliche Kalendarium (fol. l b —13“) und
in Canones, die Erläuterungen und Tafeln enthalten.
Es ist sehr sauber und sorgfältig mit schwarzer, rother
und blauer Tinte geschrieben. Jedem Monat sind zwei Seiten
zugewiesen, so dass sie dem Beschauer als ein Ganzes erscheinen.
Auf der rechts liegenden Seite finden sich neun Rubriken:
1. Monatstag. 2. Litterae feriarum. 3. Römisches Datum.
4. Feste. 5. Litterae signorum *. 6. Gradus solis. 7. Quantitas
dierum. 8. Ortus solis. 9. Occasus solis. Am Rande sind
ausser den Zeichen des Thierkreises auch die Jahrpunkte und
die Claves terminorum verzeichnet. Im März und April sind
vom 22. März bis 25. April in der Rubrik der Feste Buchstaben
von b—u in schwarzer und von a—q in rother Tinte
gegeben; — es sind dies die auf dem System der synodischen
Lunarbuchstaben beruhenden litterae paschales oder 1. tabularum.
Die Tafel enthält also Alles, was zur Festberechnung
nothwendig war. Nur konnte auch hier schon der Widerspruch
zwischen kirchlichen und astronomischen Ansätzen in die Augen
fallen, wenn man zum 11. März Aequinoctium vernum und
erst zum 22. den den ersten Ostertag anzeigenden Tabularbuchstaben
eingetragen fand.
Auf der dem Beschauer links liegenden Seite befindet sich
nun der verbesserte Mondkalender für einen sechsundsiebzigjährigen
Cyclus ; und zwar sind nicht blos die Neumonde sondern
auch die Vollmonde gegeben, so dass jeder Cyclus sechs Columnen
1 Es sind dies die periodischen Lunarbuchstaben 28 an der Zahl; um
sie durch ein Alphabet wiedergeben zu können, erfand man für die
drei letzten eigene Zeichen. Sie kommen schon in sehr alten Kalendern
vor (vergl. Sickel, Lunarbuchstaben pag. 197) und spielen in den
Mondkalendern eine grosse Rolle, da man durch sie bestimmen konnte,
in welchem Zeichen sich der Mond befand, sobald man den Monatstag
tind den numerus aureus des Jahres kannte.
Sitzungsber. d. pliil.-hist. CI. LXXXII. Bd. III. Hft. 24