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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

*

360  Kalte  nbr  1111  n  er.
2.  Bisher  hatten  wir  nicht  Gelegenheit,  der  in  der  zweiten
Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  gegründeten  Universitäten  in
Deutschland  zu  gedenken.  Manche  Männer,  die  in  den  Kreis
der  Betrachtung  hereingezogen  wurden,  hatten  ihre  Bildung  in
Paris  erlangt  —  wie  Sacro-Bosco,  Grosseteste  und  Piere
d’Ailly  —  andere  hatten  sich  in  der  Klosterzelle  gebildet.
Unter  den  deutschen  Universitäten,  die  im  ersten  Jahrhundert
ihres  Bestehens  auch  den  mathematischen  Wissenschaften  sich
zuwandten,  ist  vor  Allen  die  Hochschule  zu  Wien  zu  nennen.
Nachdem  bereits  Heinrich  von  Langenstein  das  Studium  der
Astronomie  und  Mathematik  hier  eingeführt  hatte  1  ist  als  Begründer ­
  einer  Wiener  Schule  zu  nennen  Johannes  de  Gamundia.
 2
Ueber  seine  Herkunft  wurde  lange  gestritten;  die  einen
behaupteten,  er  sei  zu  Schwäbisch  Gmündt,  die  anderen  er
sei  zu  Gmunden  am  Traunsee  geboren.  Aschbach  hat  sich
gestützt  auf  die  Facultätsacten  und  sein  Testament  für  letzteres ­
  entschieden.  In  den  Handschriften  der  hiesigen  Hofbibliothek ­
  führt  Johannes  sehr  verschiedene  Namen.  Meist
heisst  er  Joh.  de  Gamundia,  welcher  Name  in  gleichzeitigen
Urkunden  für  beide  Orte  vorkommt;  aber  auch  de  Gmunden
(Cod.  5412.  5303),  Gmündis  (Cod.  3695),  Gmund  (Cod.  5418),
Gmünd  (Cod.  3784.  3619),  Gmünd  (Cod.  3909.)  Seine  Enkelschüler ­
  Tannstetter 3  und  Andreas  Perlach  4  nennen  ihn  Johannes

in  diese  Reihe,  denn  er  hat  nur  rectificirtc  numeri  aurei,  ist  aber  sonst
ganz  analog  dem  Julianischen  Kalender;  ausserdem  ist  er  erst  nach  1471
geschrieben,  zu  einer  Zeit,  wo  man  bereits  weitere  Fortschritte  gemacht ­
  hatte.
1  Aschbach  Geschichte  der  Wiener  Universität,  pag.  366  u.  ff.
2  Vergl.  Aschbach.  453  u.  ff.  —  Khautz  Versuch  einer  Geschichte  der
österreichischen  Gelehrten.  (Frankfurt  und  Leipzig  1755)  pag.  30.
Mädler.  II.  119  —  und  die  später  anzuführenden  Notizen  über  seinen
Kalender.
3  Viri  Matliematici,  quos  inelytum  Vienense  gymnasium  ordine  celebres
habuit,  in  der  Vorrede  zu  den  Tabulae  Eclypsium  Georgii  Peurbachu.
Wien  1514.
4  Almanaeh  novum  super  anno  Christi  salvatoris  nostri  1518  ex  tabulis
doctissimi  viri  magistri  Johannis  de  Gmunden.  Wien  1517.
            
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