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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunn  er.

mondes  herausheben,  dort  den  laufenden  numerus  aureus  einschreiben
  und  weiterzählen,  bis  man  nach  19  Jahren  wieder
zu  demselben  zurückkam  und  dann  auf  den  zweiten  Cyclus
übersetzen  musste.  Dies  muss  natürlich  ausdrücklich  angeführt
werden,  und  so  erhalten  wir  dadurch  die  Abfassungszeit  direct
angegeben.  Aber  wenn  dies  auch  nicht  der  Fall  ist,  sondern
die  Anfänge  der  neunzehnjährigen  Cyclen  mit  dem  numerus
aureus  I  zusammenfallen,  erhalten  wir  einen  Anhaltspunkt,  die
Abfassungszeit  annähernd  bestimmen  zu  können.
So  findet  sich  im  Codex  Vindob.  3872  fol.  173“—  178 b
ein  solcher  Mondkalender  mit  vorausgehenden  Canones.  1  Der
Kalender  umfasst  sechs  Blätter,  somit  ist  jedem  Monat  eine
Seite  gewidmet.  Von  links  beginnend  begegnen  wir  zuerst
einer  vierfach  getheilten  Columne  mit  der  Ueberschrift:  ,quatuor
  cycli  primationum  mediarumh  Für  jeden  dieser  vier
Cyclen  sind  zwei  Subcolumnen,  von  denen  die  eine  den  in
Buchstaben  von  a—t  ausgedrückten  numerus  aureus  sammt
der  Stunde  des  Eintrittes  der  Conjunction,  die  andere  Zeichen
und  Grad  des  Mondes  enthält.  Während  im  Julianischen  Kalender
zum  23.  Jänner  num.  aur.  I  steht,  findet  er  sich  hier  zum  19.  Jänner
+  20  Stunden.  Wie  schon  die  Aufschrift  sagt,  ist  nach  mittleren
Mondmonaten  weiter  gezählt.  Die  bissextilen  Jahre  stellen  sich
nun  folgendermassen  in  den  vier  Cyclen:
Im  ersten  Cyclus  das  4.  8.  12.  16.  Jahr
„  zweiten  „  „  1.  5.  9.  13.  17.  Jahr
„  dritten  „  „  2.  6.  10.  14.  18.  „
„  vierten  „  „  3.  7.  11.  15.  19.  „
Dieses  Verhältniss  entspricht  aber  nur  den  sechsundsiebzigjährigen ­
  Zeiträumen  von  1349—1425  und-1425—1502.  Da  nun
der  Schluss  erlaubt  ist,  dass  es  nur  in  einem  ersten  neunzehnjährigen ­
  Cyclus  dieser  zwei  sechsundsiebzigjährigen  Sinn  hatte,
gerade  diese  Stellung  der  bissextilen  Jahre  zu  nehmen,  so

1  Dieselben  enthalten  wolil  nichts  über  die  Fehler  des  Kalenders,  aber
felgende  bemerkenswerthe  Stelle:  quamvis  nonnulla  Kalendaria  ad  diverse
loca  scripta  sunt,  nullum  tarnen  ad  Spirensem  civitatem  vidi  coinpilatum
  sic  serviens  ad  laudem  beatissimae  matris  et  virginis
Mariae  et  honorem  honorabilium  virorum  dominorum  decani  et  eapituli
tociusque  ecclesiae  Spirensis  Kalendarium  ad  meridiauuin  et  orizontem
ejusdem  civitatis  paravi.
            
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