Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

353

Ueber  die  Grösse  des  Fehlers  von  Sonnen-  und  Mondjahr
bringt  er  nichts  Neues.  Wie  Cusanus  traut  auch  er  den  Alphonsinischen
  Tafeln  nicht,  und  lässt  somit  auch  die  Frage  offen,
in  welcher  Anzahl  von  Jahren  die  Jahrpunkte  um  1  Tag  zurückgehen; ­
  dagegen  setzt  er  wie  alle  seine  Vorgänger  die  Anticipatio
  bei  den  Neumonden  zu  304  Jahren  an.
Nachdem  dann  Zoestius  die  schon  besprochene  Geschichte
der  Reform  auf  dem  Concil  gegeben  hat,  geht  er  über  zur
Vertheidigung  der  im  Decrete  ausgesprochenen  Massregeln.
Seine  besondere  Aufmerksamkeit  muss  er  natürlich  dem  wunden ­
  Punkte  der  Correctur  —  dem  Sonnenjahre  —  widmen-Zoestius
  setzt  die  Gründe,  die  zur  Annahme  der  siebentägigen
Auslassung  bewogen,  sehr  weitläufig  auseinander.  Der  Kern
seiner  Ausführungen  ist,  dass  man  auf  dem  Concil  beabsichtigte, ­
  eine  Einigung  mit  den  Griechen  herbeizuführen,  was
bekanntlich  ein  schöner  Traum  war,  und  dass  man  —  da  ohnehin ­
  die  Grösse  der  Anticipatio  der  Jahrpunkte  nicht  genau
bekannt  war  —  sich  begnügte,  annähernd  das  richtige  Osterfest
zwischen  die  alten  Grenzen  des  22.  März  und  25.  April  gebracht
zu  haben.  Die  zweite  Bresche,  welche  er  zu  vertheidigen  hat,
ist  die  Auslassung  eines  Bissextus  in  je  300  Jahren,  wie  sie
das  Decret  anordnet.  Die  Zahl  300  sei  leichter  dem  Gedächtnisse ­
  einzuprägen  als  304  oder  310,  wie  andere  (Cusanus)  gemeint ­
  haben,  und  was  das  Sonnenjahr  anbelangt,  so  dürfe  man
ihm  nicht  mit  den  Pfeilen  der  Alphonsinischen  Tafeln  kommen;
er  werde  da  fünf  Schützen  aufstellen,  an  denen  sie  wirkungslos ­
  abprallen  werden.  Er  meint  liiemit  die  Jahresansätze  des
Ptolomäus,  Albumasur,  Grosseteste, 1  Sacro-Bosco 2  und  des  Calculus
  Graecorum.  In  Bezug  auf  letzteren  beruft  sich  Zoestius
auf  den  Metropoliten  von  Russland,  Isidorus,  der  erklärt  habe,
Aequinoctium  vernum  falle  derzeit  auf  den  14.  März.  Auch
sei  es  nothwendig,  das  Aequinoctium  möglichst  spät  zu  setzen
mit  Rücksicht  auf  die  östlich  wohnenden  Völker.
Nachdem  uns  Zoestius  noch  sagt,  dass  er  für  die  Osterfeste ­
  von  1441  an  auf  532  Jahre  eine  Tafel  aufgestellt  habe,
schliesst  er  mit  einer  Anpreisung  der  nun  glücklich  zu  Stande
1  Grosseteste  hat  offenbar  nur  clem  Ptolomäus  bei  seinem  Ansätze  dev
Anticipatio  gefolgt.
2  Vergl.  pag.  298.  Anm.  2.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.