Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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Ueber die Grösse des Fehlers von Sonnen- und Mondjahr
bringt er nichts Neues. Wie Cusanus traut auch er den Alphonsinischen
Tafeln nicht, und lässt somit auch die Frage offen,
in welcher Anzahl von Jahren die Jahrpunkte um 1 Tag zurückgehen;
dagegen setzt er wie alle seine Vorgänger die Anticipatio
bei den Neumonden zu 304 Jahren an.
Nachdem dann Zoestius die schon besprochene Geschichte
der Reform auf dem Concil gegeben hat, geht er über zur
Vertheidigung der im Decrete ausgesprochenen Massregeln.
Seine besondere Aufmerksamkeit muss er natürlich dem wunden
Punkte der Correctur — dem Sonnenjahre — widmen-Zoestius
setzt die Gründe, die zur Annahme der siebentägigen
Auslassung bewogen, sehr weitläufig auseinander. Der Kern
seiner Ausführungen ist, dass man auf dem Concil beabsichtigte,
eine Einigung mit den Griechen herbeizuführen, was
bekanntlich ein schöner Traum war, und dass man — da ohnehin
die Grösse der Anticipatio der Jahrpunkte nicht genau
bekannt war — sich begnügte, annähernd das richtige Osterfest
zwischen die alten Grenzen des 22. März und 25. April gebracht
zu haben. Die zweite Bresche, welche er zu vertheidigen hat,
ist die Auslassung eines Bissextus in je 300 Jahren, wie sie
das Decret anordnet. Die Zahl 300 sei leichter dem Gedächtnisse
einzuprägen als 304 oder 310, wie andere (Cusanus) gemeint
haben, und was das Sonnenjahr anbelangt, so dürfe man
ihm nicht mit den Pfeilen der Alphonsinischen Tafeln kommen;
er werde da fünf Schützen aufstellen, an denen sie wirkungslos
abprallen werden. Er meint liiemit die Jahresansätze des
Ptolomäus, Albumasur, Grosseteste, 1 Sacro-Bosco 2 und des Calculus
Graecorum. In Bezug auf letzteren beruft sich Zoestius
auf den Metropoliten von Russland, Isidorus, der erklärt habe,
Aequinoctium vernum falle derzeit auf den 14. März. Auch
sei es nothwendig, das Aequinoctium möglichst spät zu setzen
mit Rücksicht auf die östlich wohnenden Völker.
Nachdem uns Zoestius noch sagt, dass er für die Osterfeste
von 1441 an auf 532 Jahre eine Tafel aufgestellt habe,
schliesst er mit einer Anpreisung der nun glücklich zu Stande
1 Grosseteste hat offenbar nur clem Ptolomäus bei seinem Ansätze dev
Anticipatio gefolgt.
2 Vergl. pag. 298. Anm. 2.